Vermittlungserfolge trotz Corona

Uwe Eschner vom Arbeitgeberservice des Jobcenters Frankfur
Uwe Eschner vom Arbeitgeberservice des Jobcenters Frankfur

Herr Eschner, wie hat sich Ihre Arbeit unter Coronabedingungen geändert?

So wie die Mitarbeiter/-innen in anderen Unternehmen ihren Job unter Coronabedingungen machen müssen, sind auch wir im Jobcenter gefordert, weiter unsere Aufgaben professionell zu erfüllen. Auch unter veränderten Bedingungen ist in der proaktiven Arbeitsvermittlung vieles möglich. Selbstverständlich haben sich die Arbeitgeberanfragen während der Pandemie geändert. So sind in den Bereichen HoGa, Flughafen, Kunst, Kultur, Automobilbau, Marketing und Events kaum noch Vermittlungen möglich. Hingegen haben sich die Anfragen aus dem Online-Handel und aus Pflegeheimen erhöht. In meiner Arbeitsweise hat sich hauptsächlich geändert, dass ich kaum noch persönliche Kundengespräche führen kann und auch am Arbeitsplatz auf die Hygienestandards achte. Am Ende des Jahres kann ich für mich feststellen, dass sich die Integrationen wegen der Corona-Pandemie keinesfalls verringert haben!

Kann Vermittlung fast ohne persönliche Kundengespräche funktionieren?

In normalen Zeiten habe ich pro Tag fünf bis sechs Kundengespräche geführt. Mit „Kunden“ meine ich die arbeitslosen Bewerberinnen und Bewerber, die wir im Jobcenter betreuen. Im ersten Lock-down wurden die persönlichen Kundengespräche zurückgefahren und werden inzwischen in Präsenzform unter Einhaltung der Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen wieder ermöglicht. Nun führe ich täglich etwa zehn Kundentelefonate, bei denen ich in erster Linie die Motivation und den Leistungswillen prüfe. Die Arbeit hat sich also effizienter gestaltet.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Ich starte meist um 06:00 Uhr und beantworte bis etwa 08:00 Uhr alle E-Mails, kümmere mich um die Datenbankeinträge in VerBIS, die Buchung von Probearbeiten (MAG) und teilweise um die Überarbeitung von Bewerbungsunterlagen u. Ä. Ab 08:00 Uhr kontaktiere ich die ersten Arbeitgeber – sowohl Stamm-Arbeitgeber als auch neue in der Kaltakquise. Diese informiere ich über Aktuelles wie z. B. das Teilhabechancengesetz oder frage gezielt, ob ich entsprechende Bewerber vorstellen kann. Zuvor informiere ich mich auf der Internetseite der Firmen, damit ich mir eine Vorstellung über den möglichen Personalbedarf bilden kann. Von 09:00 Uhr bis 15:00 Uhr versuche ich dann, die Bewerberinnen und Bewerber – unsere „Kunden“ im Jobcenter – zu erreichen. Dabei gehe ich gezielt arbeitgeberorientiert vor, d. h. ich muss Bewerberprofile finden, die zu den Personalanfragen passen. Die Gespräche führe ich anhand einer Profiling-Checkliste und erstelle einen Soll-Ist-Vergleich zu den Anforderungskriterien. Daraus ergibt sich meine ergänzte ToDo-Liste für den nächsten Tag.

Sie überarbeiten auch die Bewerbungsunterlagen?

Ja. Oft ist unseren Kunden nicht bewusst ist, wie man sich gut verkauft und das eine Bewerbungsmappe mehr ist, als etwas mit schwarzer Schrift auf weißes Papier zu schreiben. Schließlich steckt in „Bewerbung“ der Begriff „Werbung“. Eine Bewerbungsmappe ist eine Art kaufmännisches Angebot, marketing-technisch überdacht im Kontext zum Design der jeweiligen Firmenhomepage, in der Darstellung der Summe der fachlichen und sozialen Kompetenzen sowie in der konkreten Beantwortung der Anforderungskriterien der Stellenausschreibung und letztlich in der Angabe der Gehaltsvorstellungen als Ausdruck des eigenen Marktwertes.

Welches Verständnis haben Sie als Mitarbeiter im Arbeitgeberservice?

In erster Linie sollten wir uns als Vertriebsmitarbeiter fühlen und gewohnt sein, auf Geschäftsleitungsebene Gespräche zu führen. Es hilft mir, dass ich selbst jahrzehntelang Vertriebsleiter war. Vor diesem Erfahrungshintergrund halte ich folgende Punkte für wichtig: Kontinuierliche Pflege und Ausbau eines Netzwerkes von Stammarbeitgebern. Dabei achte ich darauf, dass der Arbeitgeber die Bewerber nicht nur für die Dauer einer Förderung durch Lohnkostenzuschuss einstellt. Bei Neuheiten informiere ich diese Arbeitgeber per E-Mail-Marketing und Info-Flyer sofort. Es gilt, die Bewerbungsunterlagen nicht nur zu sichten, sondern auch aufzubereiten. Für Vermittlungserfolge sind fundierte Kenntnisse im beruflichen Profiling, in der Berufskunde und zum regionalen Arbeitsmarkt erforderlich – auch zu den Verdienstmöglichkeiten, die schon im Erstgespräch geklärt werden müssen. Zentraler Punkt: Dem Bewerber genau die Jobs anzubieten, die im Kontext zu seinen fachlichen Fähigkeiten stehen. Bereits im Erstgespräch vereinbare ich zwei oder drei und nicht nur eine Integrationsstrategie.