Projekte für Frauen von Frauen

Der Verein zur beruflichen Förderung von Frauen e. V. – Stark in der beruflichen Bildung – Wegbereiter der Teilzeitausbildung
Sie werden gebraucht: Frauen mit Migrationshintergrund besuchen die VbFF-Vorbereitungskurse für die Ausbildungen in der Gesundheits- und Krankenpflege bzw. in der Altenpflege.

Sowohl auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes und als auch auf die Berufsziele von arbeitsuchenden Frauen reagiert der Verein zur beruflichen Förderung von Frauen e. V. (VbFF) mit einem neuen Projekt – dem Vorbereitungskurs für Ausbildungen in der Gesundheits- und Krankenpflege. Im Fokus stehen – wie bei vielen VbFF-Projekten – insbesondere alleinerziehende Frauen mit Migrationshintergrund aus dem Betreuungskreis des Jobcenters Frankfurt am Main. Ihnen soll eine Ausbildung in Teilzeit ermöglicht werden.

Für Frauen von Frauen

Der Verein zur beruflichen Förderung von Frauen bleibt dabei seinen Grundsätzen treu, die seit seiner Gründung im Jahr 1978 gelten: Der Vorbereitungskurs ist ein Qualifizierungsprojekt für Frauen von Frauen, um ihnen die Wege in eine Berufsausbildung zu ebnen. Mit der Ausbildung soll die Basis für ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben geschaffen werden, dies ist das Ziel.
Das Leistungsangebot des eingetragenen Vereins umfasst hauptsächlich die Beratung für Mädchen und Frauen, die Erstausbildung für junge Migrantinnen, die Teilzeitausbildung für junge Mütter, Berufsvorbereitung und Förderung in der Ausbildung sowie Kurse zum beruflichen Wiedereinstieg.

Nach Angaben von Geschäftsführerin Kerstin Einecke beschäftigt der VbFF gegenwärtig rund 40 Mitarbeiterinnen und eine Reihe von freiberuflich tätigen Dozentinnen – ausschließlich Frauen, unter ihnen viele mit einem Migrationshintergrund. Kerstin Einecke: „Unser Miteinander ist geprägt von Toleranz, Offenheit, Respekt und gegenseitiger Wertschätzung. Wir versuchen, von der Vielfalt und den damit verbundenen Erfahrungen unserer Mitarbeiterinnen zu profitieren. Dazu gehören Erfahrungen der Migration, eine heterogene Altersstruktur und Mutterschaft. Diese Vielfalt unseres Teams trägt auch dazu bei, ein Klima der Akzeptanz und des Vertrauens bei unseren Teilnehmerinnen zu schaffen.“

Kerstin Einecke beziffert das Umlaufvermögen auf über 2,2 Mio. Euro. Die Einrichtung nutzt volle zwei Etagen eines modernen Bürogebäudes in der Walter-Kolb-Straße. Die Frequenz ist hoch: Etwa 1.100 Frauen nehmen jährlich die Beratungs- und Betreuungsleistungen des VbFF in Anspruch. Manche kommen nur zu einem einmaligen Beratungstermin, manche wiederholt, andere besuchen einen der sechsmonatigen Kurse oder absolvieren eine dreijährige Ausbildung. 100 Ausbildungsplätze hält der VbFF derzeit bereit.
Damit ist deutlich: Der VbFF zählt zu den wichtigen Unternehmen der Frankfurter Bildungsträgerlandschaft. Seine hauptsächlichen Markenzeichen sind seine Orientierung ausschließlich an der Zielgruppe Frauen und die Innovationskraft der Konzepte.

Bereits anlässlich des 35-jährigen Bestehens im Jahr 2013 würdigte Oberbürgermeister Peter Feldmann die Initiative: „Die älteste und erfahrenste Einrichtung in Hessen für die berufliche Beratung von Mädchen und Frauen deckt ein weites Spektrum von Berufsvorbereitung bis zur Ausbildung in vielfach ausgezeichneter Weise ab. Immer ist der VbFF am Puls der Zeit, weiß, was die Wirtschaft und was Frauen brauchen.“

Sozialdezernentin Prof. Daniela Birkenfeld verweist auf die Teilzeitausbildung, die für den VbFF eines der zentralen Themen darstellt: „So sind zum Beispiel die Ausbildungen in Teilzeit für junge Mütter oder die Förderung in der Ausbildung für junge Frauen in Altenpflegeausbildungen besonders hervorzuheben. Denn ohne ausreichende und vor allem zeitlich angepasste Arbeitszeiten an die Kinderbetreuung ist es jungen Müttern nach wie vor nur schwer möglich, eine qualifizierte Ausbildung zu durchlaufen und gut abzuschließen. Nicht zuletzt auch wegen eingehender Unterstützung durch Unterricht oder sozialpädagogischer Unterstützung während der Ausbildungszeit absolviert über 90 Prozent der Frauen ihre Ausbildung erfolgreich.“
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Vorbereitungskurs für Ausbildungen in der Gesundheits- und Krankenpflege
Die VbFF-Projekte zur Berufsvorbereitung gehen von der Erkenntnis aus, dass der gelungene Übergang von der Schule in den Beruf für einen erfolgreichen beruflichen Werdegang entscheidend ist. In besonderem Maß sind die Stärkung des Selbstwertgefühls, die Entwicklung von Eigenverantwortung und der Ausbau sozialer Kompetenzen Kursziele. Thematisiert werden außerdem grundlegende Inhalte wie Arbeitszeiten, Fehlzeiten und die Vereinbarkeit von Arbeit mit den eigenen Lebensumständen. Die jungen Frauen lernen, Arbeitsprozesse umzusetzen, und erfahren, worin ihre Stärken, aber auch ihre Schwächen liegen.

Neuland hat der VbFF im Jahr 2011 im Wachstumssegment „Altenpflege“ betreten: „VOKA – der Vorbereitungskurs für die Ausbildung in der Altenpflege“ richtet sich an Frauen, insbesondere mit Migrationshintergrund, die eine Ausbildung in der Altenpflege beginnen möchten. In Altenpflegeeinrichtungen leben zunehmend Menschen mit Migrationshintergrund. Fachkräfte, die über interkulturelle Erfahrungen verfügen, können in diesem Beruf ihre Fähigkeiten einsetzen und entfalten.

In einer multikulturellen Stadt wie Frankfurt zeichnet sich ein steigender Bedarf an Pflegekräften mit entsprechenden sprachlichen und kulturellen Kompetenzen ab. VbFF-Projektleiterin Martha Fujimura: „Unser Ziel ist es, aktiv dem Fachkräftemangel in der Altenpflege entgegenzuwirken und vor allem Frauen mit Migrationshintergrund erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die gezielte Vorbereitung auf eine Ausbildung in diesem anspruchsvollen Aufgabengebiet ist von enormer Bedeutung, um mögliche Frustrationserfahrungen oder gar Ausbildungsabbrüche zu vermeiden.“

Die in der Regel sechsmonatige Qualifizierung umfasst Sprachförderung zur Verbesserung der Deutschkenntnisse, Vermittlung von Pflegegrundlagen, EDV, Bewerbungstraining, die Unterstützung des selbstständigen Lernens sowie Themen wie Umgang mit Krankheiten, körperlichen Anstrengungen, familiärer Doppelbelastung und Konflikten und Interkulturalität.
Der „Vorbereitungskurs für Ausbildungen in der Gesundheits- und Krankenpflege“ nimmt die Erfahrung des Kurses in der Altenpflege auf und eröffnet den Teilnehmerinnen zum ersten Mal in der Rhein-Main-Region die Möglichkeit, eine Teilzeitausbildung in der Gesundheits-und Krankenpflege zu absolvieren. Diese Ausbildung ist besonders für Frauen mit Kindern geeignet, um Beruf und Familie zu vereinbaren, und richtet sich an Frauen mit Migrationshintergrund, die aufgrund ihrer Sprachkenntnisse mehr Zeit zum Lernen benötigen. Für diese Teilzeitausbildung plant der VbFF bereits einen zweiten Vorbereitungskurs ab Januar 2016.

Die Inhalte und Schwerpunkte sind jeweils individuell auf den Bedarf der Teilnehmerinnen zugeschnitten. Vermittelt werden Einblicke in pflegerische Grundlagen, der fachtheoretische Unterricht behandelt Themen wie anatomische Grundkenntnisse, Hygiene, Krankheitslehre und gesundheitsfördernder Umgang mit Menschen. Wesentliche Bestandteile sind darüber hinaus Deutsch als Fremdsprache, die Unterstützung beim selbstständigen Lernen, bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen, bei der Suche nach einem Ausbildungs- und Praktikumsplatz sowie bei der Anerkennung ausländischer Zeugnisse.

Nach individueller Absprache kann die sechsmonatige Kursdauer verkürzt oder verlängert werden. Der vom Jobcenter Frankfurt am Main finanzierte Vorbereitungskurs führt zu einer Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege bzw. alternativ in der Gesundheits- und Krankenpflegehilfe.

Ausbildung in Teilzeit


Keine Einrichtung in Hessen hat eine längere Erfahrung mit der Teilzeitausbildung als der VbFF, der seit 1998 dieses Instrument erprobt – Jahre bevor 2005 die entsprechenden Regelungen im Berufsbildungsgesetz (BBiG) getroffen wurden – und damit ein Wegbereiter dieser Ausbildungsform ist. Kerstin Einecke: „Der Alltag vieler Mütter ist ein ständiger Spagat zwischen Familie und Berufsausbildung. Trotzdem nehmen Frauen auch diese Doppelbelastungen auf sich, weil sie sich über die Bedeutung einer abgeschlossenen Berufsausbildung für ihre Verdienstmöglichkeiten und die Sicherheit des Arbeitsplatzes bewusst sind.“

Martha Fujimura berichtet: „Gerade für junge Mütter wird die Suche nach einem Ausbildungsplatz in Vollzeit zu einer großen Herausforderung, weil die Rahmenbedingungen des Ausbildungssystems nicht auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Die regulären Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen lassen sich oft nicht mit den Arbeitszeiten vereinbaren. Die berufliche Integration ist aber im Fall der alleinerziehenden Mütter von enormer Bedeutung, denn in keiner anderen Bevölkerungsgruppe ist das Armutsrisiko so hoch. Auf dieses Problem reagierte der VbFF, als immer mehr Mütter in der Beratungsstelle den Wunsch äußerten, eine Ausbildung zu absolvieren, die Rahmenbedingungen aber nicht gegeben waren.“

Seit 1999 bietet der VbFF die Möglichkeit einer Teilzeitausbildung an und fungiert in einigen Projekten selbst als Ausbildungsbetrieb – vor allem im Bereich der Büroberufe –, übernimmt die Organisation der Ausbildungsmaßnahme oder unterstützt die Auszubildenden bei der Akquise von Praktikumsund Kooperationsbetrieben und durch sozialpädagogische Begleitung. Seit April 2015 begleitet der VbFF erstmalig eine schulische TZ-Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege

Das Credo des VbFF beschreibt Kerstin Einecke mit den Worten: „Wir sehen in der Ausbildung und Begleitung der Frauen eine unserer Kernaufgaben. Wir unterstützen insbesondere Frauen, die keinen kontinuierlichen Lebenslauf vorweisen können und deshalb nicht direkt den Weg von der Schule in eine Ausbildung gegangen sind.“
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VbFF-Geschäftsführerin Kerstin Einecke (li.)
und Projektleiterin Martha Fujimura