Ruth Braun: Ein Herz für Auszubildende

Freie Tankstelle in der Vilbeler Landstraße beteiligt sich wieder an der Jobcenter-Aktion

Zum Jahresende zieht das Jobcenter Frankfurt am Main eine positive Bilanz zu seiner Sonderaktion „Ausbildungsprämie 2016“: 66 Mal wurde die Prämie in Höhe von jeweils 6.000 Euro Betrieben zugesprochen, die einem Frankfurter Jugendlichen oder jungen Erwachsenen aus dem Betreuungskreis des Jobcenters die Chance für eine Berufsausbildung geben. Fast 400.000 Euro hat das Jobcenter dafür eingesetzt.

„Die Fördersumme ist gut investiert, weil sie jungen Menschen hilft, auf dem Weg über eine Berufsausbildung nachhaltig und dauerhaft von Unterstützungsleistungen unabhängig zu werden“, stellte Jobcenter-Geschäftsführerin Claudia Czernohorsky-Grüneberg bei einem Betriebsbesuch fest. Gemeinsam mit dem Geschäftsführungs-Referenten Thomas Stotz verschaffte sie sich bei Ruth Braun in der freien Tankstelle an der Vilbeler Landstraße einen Eindruck von der betrieblichen Umsetzung der Jobcenter-Sonderaktion. Wie bereits im Jahr 2015 beteiligte sich Ruth Braun auch 2016 wieder an der Aktion des Jobcenters Frankfurt und gab erneut gleich mehreren jungen Erwachsenen die Möglichkeit, eine Ausbildung als Verkäufer bzw. als Verkäuferin zu absolvieren und anschließend auch den Abschluss zum Einzelhandelskaufmann bzw. zur Einzelhandelskauffrau zu erwerben.

Zwei Berufsabschlüsse in drei Jahren – diesen Weg hat Noemi erfolgreich eingeschlagen. Sie war eine von 213 Jahrgangsbesten, die Anfang Oktober 2016 von der IHK Frankfurt ausgezeichnet wurden. Nicht immer gelingt es Ruth Braun, ihre Auszubildenden zu solchen Erfolgen zu führen, aber die beruflichen Abschlussprüfungen bestehen die meisten mit recht guten Erfolgen. „Sie kann Wunder bewirken, wenn es um schwierige oder sozial benachteiligte junge Menschen geht“, heißt es in der Berufsschule. Um die Nachhilfe in der Theorie kümmert sie sich in der Regel selbst, sie achtet aber vor allem auch darauf, dass ihre Auszubildenden das richtige Maß an Zutrauen in das eigene Leistungsvermögen entwickeln.
 
FFM Januar 17
Nach dem Grundsatz „Nah am Markt“ informieren sich Jobcenter-Geschäftsführerin Claudia Czernohorsky-Grüneberg (li.) und Geschäftsführungs-Referent Thomas Stotz (re.) über die Wirkung der „Ausbildungsprämie 2016“ bei Ruth Braun und ihrer Auszubildenden Noemi

Ruth Braun berichtet im Gespräch mit Jobcenter-Geschäftsführerin Claudia Czernohorsky-Grüneberg, dass alle ihre Auszubildenden aus dem Betreuungskreis des Jobcenters kommen und das „Individuelle Vermittlungscoaching“ der GPE durchlaufen haben. Als Beispiel nennt sie einen 25-Jährigen, der es zuvor immer kurzzeitig als Lager-, Verkaufs- und Bauhelfer versucht hatte – eine typische „Karriere“ mit schnell wechselnden Helferjobs, in die jetzt Beständigkeit gekommen ist. Ruth Braun erzählt von einer jungen Frau mit türkischen Wurzeln – „ein top Mädchen, das auch schon um fünf Uhr früh anfängt“ – und von einem jungen, gerade 20 Jahre alt gewordenen Angolaner, der sich „in der Schule super macht“. Er wird über die Einstiegsqualifizierung (EQ) an die Ausbildung herangeführt, genauso wie ein junger Deutscher, der im Dezember beginnen konnte. Zuvor hat er als Minijobber im Hausmeisterservice und als Hilfskoch gearbeitet.

Die Jobcenter-Geschäftsführerin zieht ein Fazit ihres Betriebsbesuches: Mit der Ausbildungsprämie wurden zusätzliche Ausbildungsplätze für junge Menschen geschaffen, die es ohne diese Förderung nicht gegeben hätte. Mit persönlichem Engagement gelingt es meist, sie auf einen guten Weg zu bringen. Ruth Braun und ihr Mann Bernard betreiben neben der Tankstelle in der Vilbeler Landstraße eine weitere in Sulzbach und eine dritte in Bad Camberg. Als mittelständische Unternehmer bilden sie seit vielen Jahren kontinuierlich junge Menschen aus und geben vor allem sozial Benachteiligten eine Chance. Ein starkes persönliches Netzwerk hilft den Brauns, sie nach erfolgreich absolvierter Ausbildung in anderen Betrieben unterzubringen.

FFM Januar 17
Noemi (re.) und Bedar sind Auszubildende bei der freien Tankstelle in der Vilbeler Landstraße. Die junge Frau zählt zu den 213 Jahrgangsbesten der IHK Frankfurt. Als gelernte Verkäuferin absolviert sie jetzt ihre zweite Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel.