Das Beispiel des Sozialunternehmens GFFB

„Langjährige Förderung eröffnet große Chancen für eine individuelle Stabilisierung und nachhaltige Re-Integration in den Arbeitsmarkt“
Barbara Wagner, Geschäftsführende Gesellschafterin des Sozialunternehmens „GFFB“
Was bedeutet das Teilhabechancengesetz für ein Sozialunternehmen wie die GFFB?

Ich bin der Auffassung, dass Sozialunternehmen sehr gut geeignet sind, neue Mitarbeiter/-innen nach dem Teilhabechancengesetz (THCG) einzustellen. Mitarbeiter/-innen, die langjährig aus dem Erwerbsleben ausgeschieden waren, brauchen eine besondere Unterstützung, da sie sich den Anforderungen des Arbeitsmarktes oft nicht mehr gewachsen fühlen. Wir sehen in der Möglichkeit der ergänzenden Qualifizierung auch eine große Chance, Kompetenzen auf- und weiter auszubauen. Als Sozialunternehmen verfügen wir über viel Know-how in der Feststellung von Kompetenzen und der Entwicklung eines Qualifizierungsplanes für die Beschäftigten nach dem THCG. Die GFFB kann mit den neuen Kolleg/-innen, die über das Teilhabechancengesetz gefördert werden, auch einige Dienstleistungen weiter ausbauen, die ohne diese Förderung nicht möglich wären. Aktuell bauen wir eine Agentur für haushaltsnahe Dienstleistungen für bis zu 20 Mitarbeiter/-innen auf, die auch fachlich durch uns geschult werden. Hier suchen wir dringend noch förderfähige Mitarbeiter/-innen. Einsatzmöglichkeiten haben wir auch in unserem Second-Hand-Shop, in unserem World Café sowie in unserem Veranstaltungsmanagement. Wir sehen mit Hilfe der langjährigen Förderung von bis zu fünf Jahren große Chancen einer individuellen Stabilisierung und einer langfristigen Re-Integration in den Arbeitsmarkt. Wichtig sind dabei eine offene Feedbackkultur, Erfahrungen in der Arbeit mit langzeiterwerbslosen Menschen sowie der Gestaltung von Bildungsprozessen.
Was bedeutet das THCG für die Menschen, die diese Förderung bekommen?

Das THCG bietet eine große Chance für Menschen, die einen Anspruch auf Förderung haben. Die begleitende Qualifizierung und das Coaching sind zur nachhaltigen Stabilisierung von großer Bedeutung. Nach langjähriger Erwerbslosigkeit ist die Unsicherheit bei den Anspruchsberechtigten sehr groß, ob sie den Anforderungen des Arbeitsmarktes gewachsen sind. Ein sensibler Umgang und eine professionelle Begleitung tragen maßgeblich zur Stabilisierung bei. Wir machen die Erfahrung, dass wir das Selbstwertgefühl der Mitarbeiter/-innen fördern können und sie zunehmend einen wichtigen Platz in unserer Organisation einnehmen. Sie sind für uns gleichberechtigte Mitarbeiter/-innen in unserem Gesamtteam.
Was bedeutet das THCG für die Gesellschaft?

Das THCG schafft Arbeitsangebote für Menschen, die ohne diese Förderung kaum Chancen auf ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis hätten. Es sollte allerdings auch evaluiert werden, wie die geeigneten Rahmenbedingungen aussehen sollten, um den Übergang von Langzeiterwerbslosigkeit in längerfristige Beschäftigung zu erreichen. Ich könnte mir vorstellen, dass einige Branchen / Wirtschaftsunternehmen sich schwer tun, den zumindest in der Anfangszeit recht hohen Betreuungsaufwand zu gewährleisten. Insofern können Sozialunternehmen eine wichtige Brückenfunktion zwischen Langzeiterwerbslosigkeit und der Beschäftigung in Wirtschaftsunternehmen übernehmen. Ich sehe gesellschaftlich einen hohen Bedarf an Dienstleistungen, in denen auch langzeiterwerbslose Menschen einen sehr wichtigen Beitrag leisten können. Daher begrüße ich grundsätzlich dieses Förderinstrumentarium, da für die betroffenen Personen ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis und ein Arbeitsvertrag wichtig für die gesellschaftliche Anerkennung ihrer Arbeit ist. Die Betriebe der Sozialwirtschaft werden dabei eine zentrale Rolle spielen.