Qualifizierung in der Zeitarbeit: Perspektive Fachlagerist

Ein Gemeinschaftsprojekt von Jobcenter, Arbeitsagentur, I. K. Hofmann GmbH und Manpower GmbH – DEKRA Akademie als Partner
„Qualifizierung in der Zeitarbeit“ ist ein Gemeinschaftsprojekt mit mehreren Beteiligten: das Jobcenter Frankfurt am Main und die Agentur für Arbeit auf der einen Seite, die Zeitarbeitsfirmen I. K. Hofmann GmbH und Manpower GmbH auf der anderen Seite sowie die DEKRA Akademie als dritter Partner, der die Qualifizierungsmaßnahme zum Fachlageristen durchführt. Seit November 2014 läuft das Projekt mit der Bezeichnung „Abschlussorientierte Teilqualifizierung in Zeitarbeitsunternehmen“. Die Kursteilnehmer haben das Ziel, als ausgebildete Fachlageristen nicht mehr nur für Helfertätigkeiten, sondern als Facharbeiter eingesetzt zu werden, eine sichere Beschäftigung zu erlangen und ein entsprechend höheres Einkommen zu erzielen.
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An der Gemeinschaftsaktion beteiligt (v.l.n.r.): Michael Laux (I. K. Hofmann), Julian Salguero (Manpower), Heidrun Reul (DEKRA Akademie), Sonja Kappel (Manpower), Patrick Bauer (I. K. Hofmann) und Silvia Musholt (Jobcenter Frankfurt am Main)
Für die Gewinnung der Kursteilnehmer war eine etwas größere Aktion erforderlich: Mehr als 250 Arbeitsuchende wurden vom Jobcenter und von der Arbeitsagentur angesprochen, die Hälfte von ihnen wurde dann eingeladen und am Ende verblieben vier Bewerber aus dem Bereich des Jobcenters und  zwei Kunden der Agentur. Die Teilnehmer wurden aber nicht allein aus den eständen des Jobcenters und der Arbeitsagentur, sondern auch aus dem Mitarbeiterkreis der beiden beteiligten Zeitarbeitsunternehmen rekrutiert – zwei von Manpower und drei von I. K. Hofmann. Insgesamt elf Männer im Alter zwischen 20 und 45 Jahren entschieden sich dafür, die Qualifizierungsmaßnahme bei der DEKRA Akademie zu besuchen. „Es handelte sich hierbei um eine sehr erfolgreiche Gemeinschaftsaktion!“, betont Relationshipmanager Michael Laux von der I. K. Hofmann GmbH und ergänzt: „Aufgabe der Zeitarbeitsunternehmen ist es, die geeigneten Kunden mit den entsprechenden Arbeitsplätzen, an denen die Teilnehmer ihre praktischen Kenntnisse erlangen, zu stellen und dabei für die geeigneten Rahmenbedingungen zu sorgen.“

Die Kursteilnehmer haben alle keinen Berufsabschluss, streben aber die Externenprüfung zum Fachlageristen an. Nach dem Berufsbildungsgesetz werden nicht nur Auszubildende, sondern auch andere Personen zur Abschlussprüfung zugelassen, wenn sie die entsprechende Berufserfahrung nachweisen können. Ausbildungszeiten in anderen Ausbildungsberufen, ausländische Bildungsabschlüsse sowie Zeiten der Berufstätigkeit im Ausland werden berücksichtigt. Die erforderliche Mindestzeit bei dreijährigen  Ausbildungsberufen beträgt viereinhalb Jahre Berufspraxis, bei zweijährigen Ausbildungsberufen wie dem Fachlageristen sind es drei Jahre.
Das bedeutet für das Projekt: Bis zum vorgesehenen Prüfungstermin im Winter 2016/2017 müssen die Bewerber mindestens drei volle Jahre Berufspraxis nachweisen können. Vom Einstieg im November 2014 aus gerechnet können sie noch zwei Jahre Berufserfahrung erwerben, ein Jahr mussten sie bei der Einstellung bereits mitbringen. Die Bewerber kennen also ihre zukünftigen Anforderungen an den Job, ihre Vorkenntnisse sind für den theoretischen Unterricht von Vorteil. Das Risiko einer Fehleinstellung ist relativ gering. Die Kursteilnehmer werden von den beiden Zeitarbeitsunternehmen I. K. Hofmann und Manpower beschäftigt und regulär bei Unternehmen in der Rhein-Main-Region im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung eingesetzt. Ihre Bezahlung erfolgt nicht auf der regulären "Azubi-Basis", sondern bei voller Vergütung einschließlich Fahrtgeld. In der ersten Woche eines jeden Monats nehmen sie an Qualifizierungskursen bei der DEKRA Akademie teil und werden dazu von den Zeitarbeitsunternehmen mit Einverständnis der entleihenden Betriebe freigestellt.
Die berufsanschlussfähige Teilqualifizierung orientiert sich am Rahmenlehrplan für den Fachlageristen mit den fünf Ausbildungsbausteinen Wareneingang, innerbetrieblicher Transport, Lagerung von Gütern, Kommissionierung und Versand. Die Teilqualifizierung konzentriert sich auf die Ausbildungsbausteine Wareneingang und Versand. Im gesamten Kurszeitraum vom 3. November 2014 bis zur IHK-Prüfung am 20. Januar 2017 absolvieren die Teilnehmer insgesamt 960 Unterrichtseinheiten. Die beiden Wochen jeweils vor der Theorie- und Praxisprüfung werden im Vollzeitunterricht zur gezielten Vorbereitung verbracht. Einfache und verbindliche Unterrichtsblöcke gewährleisten die gute Planbarkeit der Mitarbeitereinsätze und verhindern eine Zerstückelung der Themen.
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Der erfahrene DEKRA-Fachdozent Peter Knepper (stehend) vermittelt den angehenden Fachlageristen die theoretischen Inhalte.
Das Projekt „Abschlussorientierte Teilqualifizierung in Zeitarbeitarbeitsunternehmen“ wurde im Zusammenwirken der Bundesagentur für Arbeit, der Jobcenter und verschiedener Zeitarbeitsunternehmen konzipiert. In Frankfurt am Main sind dies I. K. Hofmann und Manpower. Das Pilotprojekt findet in Frankfurt am Main und vier weiteren Standorten in Deutschland statt. Die Finanzierungsgrundlage ist das Programm „WeGebAU“, mit dem die Bundesagentur die Weiterbildung von Geringqualifizierten fördert. In einem Fall wird ein Teilnehmer sogar vollständig über Manpower finanziert.