Siemens AG

Im vergangenen Jahr hat Siemens gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein mehrstufiges Programm zur Integration von Flüchtlingen in Deutschland gestartet. Das Unternehmen stellte dafür kurzfristig eine Million Euro Spendenmittel und Eigenleistungen in gleicher Größenordnung bereit. Teil des Programms ist das Angebot von Flüchtlingspraktika an mehreren Siemens-Standorten. Nach der erfolgreichen Pilotphase des Projektes am Standort Erlangen haben inzwischen auch zwei syrische Flüchtlinge ihr Praktikum in Offenbach absolviert. Während des zweimonatigen, inzwischen abgeschlossenen vergüteten Praktikums steht der Erwerb praktischer Kenntnisse und Erfahrungen zur Vorbereitung auf einen Beruf ohne eine systematische Berufsausbildung im Vordergrund. Voraussetzung für einen Praktikumsplatz sind Ausbildung, Studium oder erste Berufserfahrungen in einem technischen Bereich sowie ein laufendes oder anerkanntes Asylverfahren.

All diese Voraussetzungen erfüllen die beiden Praktikanten in Offenbach. Die jungen Männer bringen Vorkenntnisse aus den Bereichen Bauingenieurwesen und Informatik aus Studium und Beruf mit. Der 27-jährige Ammar Kessra Haddad ist seit Anfang 2014 in Deutschland. Aufgrund seines oppositionellen Engagements an der Universität musste er sein Heimatland verlassen und hielt sich zunächst etwa acht Monate in Ägypten auf. Als während der zweiten Revolution sein Visum nicht verlängert wurde, flüchtete er über das Mittelmeer und Italien nach Deutschland. Sein ursprüngliches Ziel Schweden konnte er aus Geldmangel nicht mehr erreichen. Ohne lange Wartezeiten und ermüdende Prozeduren hatte er nach sechs Wochen seinen Anhörungstermin, die Anerkennung als Flüchtling folgte bereits nach zwei Monaten. In Frankfurt fühlt er sich angekommen. Sein deutsches Sprachvermögen ist beachtlich, sein Integrationswille sehr hoch.

Der Libanon, die Türkei, Griechenland und die Balkanroute sind die Stationen auf dem fünfmonatigen Fluchtweg des 29-jährigen Hesham Mureita, der nach Deutschland Ende 2013 eingereist ist. Auch er hat in der Heimat Bauingenieurwesen studiert und kam allein, ohne Familie, hat in Frankfurt inzwischen aber eine syrische Frau gefunden. Er ist der deutschen Sprache mächtig, kann sich gut verständigen und hat im Praktikum enorme Fortschritte gemacht, wie Annette Lauterbach berichtet. Als Personalberaterin bei Siemens ist sie für das Projekt in der Region verantwortlich und hatte sich schon Ende 2015 an das Jobcenter Frankfurt am Main gewandt, um geeignete Praktikanten zu finden. Etwa zwei Drittel der Menschen, die das Jobcenter betreut, haben einen Migrationshintergrund. Aus einer Gruppe von über 200 potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern wurden 21 ausgewählt, die den fachlichen und persönlichen Anforderungen von Siemens am besten entsprachen. Im Jobcenter Nord hatten sie bei einer Gruppenveranstaltung Gelegenheit zur Information und zum ersten persönlichen Kontakt mit Siemens. Ihre Mitwirkungsbereitschaft, ihr Integrationswille und ihre persönlichen und fachlichen Voraussetzungen waren sehr ausgeprägt, wie sich Jobcenter-Geschäftsführerin Claudia Czernohorsky-Grüneberg erinnert. 14 Bewerber kamen in die engere Wahl, den beiden jungen Syrern wurde schließlich die Möglichkeit zum Praktikum gegeben. Dabei wurden ihnen Einblicke in das Engineering für schlüsselfertige Kraftwerke vermittelt. Sie konnten in Projektteams arbeiten, die Kraftwerke in Dubai und Ägypten planen. Auch außerhalb des Projektteams erhielten sie Unterstützung und Betreuung: Das Jobcenter Frankfurt am Main betreute die administrativen Abläufe, bei Siemens erhielten sie neben ihren fachlichen Ansprechpartnern auch Unterstützung von einem persönlichen „Buddy“, der ihnen im Alltag mit Rat und Tat zur Seite stand. „Damit eine dauerhafte Integration gelingen kann, benötigen die Geflüchteten eine Perspektive auf dem deutschen Arbeitsmarkt“, sagt Dirk Steding, Betriebs- und Standortleiter in Offenbach. „Das Orientierungspraktikum bietet die Möglichkeit, das Arbeitsleben in Deutschland kennenzulernen und erste, wichtige Kontakte zu knüpfen.“ Abteilungsleiter Michael Sack, in dessen Bereich die beiden Syrer eingesetzt wurden, spricht mit hoher Wertschätzung von den beiden Praktikanten. Er verweist gleichzeitig auf das internationale Umfeld, in dem sie sich bei Siemens als Weltkonzern bewegen. Nach dem erfolgreichen Start wird er sich auch an der nächsten Aktion wieder beteiligen.

Bis zu zehn Praktikumsplätze stehen 2016 in Hessen an den Siemens-Standorten Offenbach und Frankfurt Fechenheim zur Verfügung. Derzeit wird die Eignung weiterer Bewerber geprüft. „Mit dem Praktikumsprogramm für Flüchtlinge wollen wir jungen Menschen den Berufseinstieg in Deutschland erleichtern“, sagt Annette Lauterbach. „Neben dem persönlichen Engagement vieler Siemens-Mitarbeiter ist das seitens des Unternehmens die beste Möglichkeit, einen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen zu leisten.“ Auch deutschlandweit wird in vielen Siemens-Standorten die Ausweitung des Praktikumsprogramms vorangetrieben, darunter in Berlin, Hamburg und München. Ziel ist es, in diesem Jahr insgesamt 100 Praktikanten einzustellen.