Neues Bundesprogramm: „Ausbildungsplätze sichern“

Fördermöglichkeiten für Ausbildungsbetriebe, die von der Corona-Pandemie besonders betroffen sind

Das Bundeskabinett hat vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres das Programm „Ausbildungsplätze sichern“ auf den Weg gebracht und Mittel in Höhe von 500 Mio. Euro bereitgestellt. Damit sollen zeitlich befristet im Ausbildungsjahr 2020/2021 Ausbildungsplätze gesichert werden. Das neue Bundesprogramm schafft Förderleistungen für Betriebe, die auch unter den Beeinträchtigungen der Corona-Pandemie die Zahl ihrer Auszubildenden stabil halten oder ausbauen, Auszubildende aus insolventen Unternehmen übernehmen und weiter ausbilden, vorübergehend Verbund- oder Vertragsausbildung nutzen oder auf Kurzarbeit für Auszubildende verzichten.

Das Maßnahmepaket richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bis 249 Beschäftigte, die durch die Corona-Pandemie besonders betroffen sind. Davon ist auszugehen, wenn das Unternehmen in der ersten Jahreshälfte 2020 wenigstens einen Monat Kurzarbeit durchgeführt hat oder der Umsatz in den Monaten April und Mai 2020 um durchschnittlich mindestens 60 Prozent gegenüber April und Mai 2019 eingebrochen ist. Bei Unternehmen, die nach April 2019 gegründet wurden, sind statt der Monate April und Mai 2019 die Monate November und Dezember 2019 zum Vergleich heranzuziehen. Antragsberechtigt sind betroffene Betriebe, die eine Berufsausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen oder in den bundes- und landesrechtlich geregelten praxisintegrierten Ausbildungen im Gesundheitsund Sozialwesen durchführen. Praktika sind ausgeschlossen.

Im Einzelnen sind die folgenden Regelungen vorgesehen:

➔ 2.000 Euro Ausbildungsprämie bei Erhalt des Ausbildungsniveaus

Antragsberechtigte Unternehmen, die die Zahl ihrer Auszubildenden im Vergleich zu den drei Vorjahren (2017 bis 2019) aufrechterhalten, werden mit einer Ausbildungsprämie gefördert. Sie erhalten für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossenen Ausbildungsvertrag einmalig 2.000 Euro. Die Auszahlung erfolgt nach dem Ende der erfolgreich abgeschlossenen Probezeit.

➔ 3.000 Euro Ausbildungsprämie bei Erhöhung des Ausbildungsniveaus

Antragsberechtigte Unternehmen, die die Zahl ihrer Auszubildenden im Vergleich zu den drei Vorjahren (2017 bis 2019) erhöhen, erhalten für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 zusätzlich abgeschlossenen Ausbildungsvertrag einmalig 3.000 Euro. Die Auszahlung erfolgt nach dem Ende der erfolgreich abgeschlossenen Probezeit.

➔ 3.000 Euro Übernahmeprämie

Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen, die Auszubildende aus anderen aufgrund der Corona-Pandemie insolventen Betrieben bis zum Abschluss ihrer Ausbildung übernehmen, erhalten je Auszubildendem eine einmalige Prämie von 3.000 Euro. Eine pandemiebedingte Insolvenz wird bei KMU angenommen, über die bis zum 31. Dezember 2020 das Insolvenzverfahrens eröffnet worden ist und die sich vor dem 31. Dezember 2019 gemäß EU-Definition nicht in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befunden haben. Eine Förderung erfolgt frühestens ab Inkrafttreten der Förderrichtlinie und ist befristet auf Zeiten bis zum 30. Juni 2021.

Foto: Ausbildungsprämie
➔ 75 % Zuschuss zur Vermeidung von Kurzarbeit 

Unternehmen, die trotz Kurzarbeit aufgrund eines erheblichen Arbeitsausfalls von mindestens 50 Prozent bei Auszubildenden und Ausbildungspersonal auf Kurzarbeit verzichten, erhalten einen 75-prozentigen Zuschuss zur Bruttoausbildungsvergütung für jeden Monat, in dem die Fördervoraussetzungen gegeben sind. Die Förderung erfolgt frühestens ab Inkrafttreten der Förderrichtlinie und ist bis zum 31.12.2020 befristet. Ziel der Förderung ist es, Kurzarbeit bei Auszubildenden zu vermeiden, um den erfolgreichen Abschluss der begonnenen Ausbildung sicherzustellen.

➔ Auftrags- und Verbundausbildung 

Wenn Betriebe pandemiebedingt die Ausbildung vorübergehend nicht fortsetzen können und andere KMU, überbetriebliche Berufsbildungsstätten oder Ausbildungsdienstleister zeitlich befristet die Ausbildung übernehmen, können diese eine Förderung erhalten. Voraussetzung ist, dass der Geschäftsbetrieb des ursprünglich ausbildenden Unternehmens aufgrund von Corona vollständig oder zu wesentlichen Teilen von Schließungen oder erheblichen Auflagen betroffen ist, die eine Fortsetzung des Geschäftsbetriebs maßgeblich behindern. Die betriebliche Ausbildung hat Vorrang. Die Details der Durchführung einer solchen Verbundoder Auftragsausbildung sollen im Rahmen der Allianz für Aus- und Weiterbildung erörtert werden. Eine Förderung erfolgt frühestens ab Inkrafttreten der Förderrichtlinie und ist befristet bis zum 30. Juni 2021.

Die Umsetzung des Bundesprogramms „Ausbildung sichern“ soll der Bundesagentur für Arbeit übertragen werden. Förderanträge können nach Veröffentlichung der Förderrichtlinien bei der für das jeweilige Unternehmen örtlich zuständigen Agentur für Arbeit gestellt werden.