„Es ist wichtig, dass niemand verloren geht“

Monika Aglago vom Jugendjobcenter Frankfurt und Marco Schöppner von der Berufsberatung der Agentur für Arbeit nehmen Stellung

Konnten Sie feststellen, dass die Ausbildungsbetriebe pandemiebedingt gezögert haben, jungen Menschen eine Chance zu geben?

Monika Aglao: Einige Betriebe haben mitgeteilt, dass sie wegen der Pandemie und damit eingehender wirtschaftlicher Probleme noch zögern oder auch keine Jugendlichen in Ausbildung aufnehmen werden. Einige Ausbildungsstellen für das Jahr 2020 wurden daher gestrichen, teilweise kommen jedoch jetzt noch Ausbildungsverträge, da die Betriebe erst nach dem Lock-down wieder mit Auswahlverfahren begonnen oder sich umentschieden haben.

Marco Schöppner: Die Ausbildungsbereitschaft der Frankfurter Unternehmen ist generell weiterhin hoch und es gibt auch jetzt noch ein attraktives Ausbildungsangebot und Chancen für junge Menschen. Teilweise wurden Verträge in diesem Jahr etwas später abgeschlossen als in den Vorjahren.

Welche Branchen und Wirtschaftszweige waren hauptsächlich betroffen?

Aglago: Zum einen ist die Größe des Betriebes von Bedeutung. Je kleiner der Betrieb umso geringer die Ausbildungsbereitschaft – nicht allerdings im Einzelhandel und medizinischen Bereich. Zum anderen gingen Ausbildungsplatzangebote in den Branchen zurück, die sehr stark vom Lockdown und den damit einhergehenden Folgen betroffen sind.

Schöppner: Insbesondere gilt dies für das Hotel- und Gaststättengewerbe und die Veranstaltungsbranche.

Gibt es bestimmte Bewerbergruppen, die von der Situation benachteiligt sind?

Schöppner: Junge Menschen mit Handicap haben es tendenziell schwerer. Hier gibt es aber gute Unterstützungsangebote für die Unternehmen und die Bewerber/innen.

Aglago: Betroffen sind junge Menschen, die mehr Unterstützung während des Bewerbungsprozesses brauchen, z. B. weil sie sich im Gespräch noch unsicher sind oder Hemmungen haben, sich zu präsentieren. Jungen Menschen, die sozial benachteiligt sind, fehlt oftmals die notwendige IT-Ausstattung um sich auf alternativen Wegen zu bewerben. Teilweise erhalten die Jugendlichen keine Rückmeldung vom Arbeitgeber, es kommt nicht zum Vorstellungsgespräch, was die Verunsicherung bei den Jugendlichen verstärkt.

Wie hat sich der Ausbildungsmarkt in Frankfurt in den vergangenen Monaten verändert?

Wie hat sich der Ausbildungsmarkt in Frankfurt in den vergangenen Monaten verändert?
Schöppner: Nach dem Stand von Ende August meldeten sich seit Oktober 2019 3.691 junge Menschen bei der Agentur für Arbeit Frankfurt, die auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle sind. Das waren 269 weniger (-6,8 Prozent) als im Vorjahreszeitraum. Im gleichen Zeitraum meldeten die Unternehmen 3.658 freie Ausbildungsstellen, 440 weniger (-10,7 Prozent) als im Ausbildungsjahr 2018/2019. 1.243 dieser Stellen sind noch nicht besetzt, 33 Stellen mehr (+2,7 Prozent) als im Vorjahr. Rein rechnerisch sind dies 1,07 unbesetzte Ausbildungsstellen je unversorgtem Bewerber.

Den Partnern des Bündnisses ist eine Anerkennung wichtig: „Betriebe wie auch Berufsschulen, Auszubildende, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Lehrerinnen und Lehrer müssen in diesen Zeiten vielfach und vielerorts flexibel reagieren, um die duale Ausbildung in angepasster Form umzusetzen. Das verlangt viel von allen Beteiligten ab und dafür sprechen die Bündnispartner ihren Respekt und Dank aus: An alle, die sich dafür einsetzen, im Betrieb und in den Berufsschulen, die duale Ausbildung zu stärken und den Herausforderungen mit konstruktiven Lösungen zu begegnen.“

Im Sinn dieser „konstruktiven Lösungen“ spricht sich das Bündnis für die Nutzung digitaler Kommunikationsmittel und Lernplattformen aus und verweist auf die Möglichkeit eines späteren Ausbildungsbeginns: „Den im Bündnis Ausbildung Hessen verabredeten Nachvermittlungsaktionen kommt gerade im aktuellen Ausbildungsjahr eine besondere Bedeutung zu, denn ein späterer Ausbildungsstart, beispielsweise im Oktober oder November 2020, ist wie bisher auch weiterhin möglich.“
Monika Aglago, Bereichsleiterin des Jugendjobcenters
Monika Aglago, Bereichsleiterin des Jugendjobcenters
Marco Schöppner, Bereichsleiter in der Agentur für Arbeit Frankfurt
Marco Schöppner, Bereichsleiter in der Agentur für Arbeit Frankfurt