Beratung auf Augenhöhe: Horst Mochnatzki (li.) mit Gregor Reschke, seinem Ansprechpartner im Projekt Job Jump
Beratung auf Augenhöhe: Horst Mochnatzki (li.) mit Gregor Reschke, seinem Ansprechpartner im Projekt Job Jump

JOB JUMP – ein erfolgreiches Projekt geht weiter

Das Jobcenter Frankfurt am Main betreut Langzeitarbeitslose differenziert

300 Langzeitarbeitslose in Beschäftigung zu integrieren – dieses Ziel hatte sich das Pilotprojekt JOB JUMP des Jobcenters Frankfurt am Main gesetzt. Zwischen Juli 2015 und Dezember 2016 war Frankfurt eines von bundesweit drei Jobcentern, in denen ein von der Bundesagentur für Arbeit und der Boston Consulting Group (BCG) entwickeltes Projekt zur Reduzierung der Langzeitarbeitslosigkeit erprobt wurde. Der Ansatz von JOB JUMP besteht darin, die einzelnen Teilgruppen der Langzeitarbeitslosen differenziert anzugehen. In der Pilotphase wurden anhand der Kategorien „Können“ und „Wollen“ vier unterschiedliche Kundengruppen definiert: Durchstarter, Neustarter, Startbereite und Beobachter. Für diese vier Kundengruppen bietet das Konzept unterschiedliche Strategien bei der Beratung, der kundenspezifischen Ansprache und dem Einsatz von Förderinstrumenten und -maßnahmen.

„Der intensive Kontakt und der neue kundenzentrierte Ansatz sind für mich der Schlüssel für Integrationserfolge, was nicht nur für die Zielerreichung relevant ist, sondern gleichzeitig auch für den effektiven Einsatz von Steuermitteln und für die Erfüllung unseres sozialpolitischen Auftrages steht. Neben den harten Integrationszahlen werden sich in vielen Fällen andere Integrationsfortschritte ergeben, z. B. wenn wir es schaffen, einen nicht motivierten Kunden zu motivieren oder jemanden, der ‚nicht kann‘, zu qualifizieren. Auch das sehe ich als großen Erfolg.“ - Detlef Scheele, neuer Chef der Bundesagentur für Arbeit, über JOB JUMP  bei einem Informationsbesuch im Jobcenter Frankfurt

„Mit 350 Integrationen haben wir das Ziel nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen“, berichtet Teamleiter Jörg Röpke, der in Frankfurt für JOB JUMP verantwortlich ist. Nach den positiven Erfahrungen in der Pilotphase wird das Projekt jetzt fortgesetzt. Der Fokus liegt auf der Zielgruppe der jungen Erwachsenen mit Berufsabschluss im Alter von 25 bis 35 Jahren. Ihre Chancen, in Beschäftigung vermittelt zu werden, gelten als überdurchschnittlich gut.

Die Teilnehmer werden häufiger ins Jobcenter eingeladen – in der Regel mindestens einmal im Monat – und intensiver beraten. Die persönlichen Ansprechpartner haben weniger Kundinnen und Kunden als im Regelgeschäft zu betreuen und können sie intensiver beraten. Dafür hat das Jobcenter Frankfurt ein spezialisiertes JOB-JUMP-Team mit neun Vermittlungsfachkräften geschaffen, das sich um die Projektteilnehmer kümmert. Etwa 850 Kundinnen und Kunden des Jobcenters werden derzeit in diesem Projekt betreut, ihre Zahl soll auf etwa 1.100 steigen. 

Ein neuer Job für Horst Mochnatzki

Horst Mochnatzki entspricht so gar nicht dem verbreiteten Klischee von einem „Hartz-IV-Empfänger“. Er ist weder geringqualifiziert noch demotiviert, gesundheitlich beeinträchtigt oder sozial benachteiligt. Mit 47 Jahren ist er zudem deutlich von dem Bereich entfernt, den die Fachleute als „Vermittlungshemmnis“ betrachten.

Horst Mochnatzki hat das Abitur in Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg) abgelegt und dann an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen zunächst Chemie und anschließend Biologie studiert. Er kann einen Abschluss als Diplom-Biologe nachweisen. Nach einer Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Tübinger Neuropharmakologie erlangte er Erfahrungen im Pharma-Außendienst, bevor er bei der GBG Forschungs GmbH in Neu-Isenburg angestellt wurde. Die klinische Projektforschung – insbesondere die Brustkrebstherapie – wurde für insgesamt sieben Jahre sein Metier. Als „Klinischer Projekt Manager“ erreichte er den innerbetrieblichen Aufstieg vom „Associate“ über den „Senior“ bis zum Leiter und Mitglied der Geschäftsleitung. Weil er den Wechsel wollte, schied er Ende 2013 aus dem Unternehmen aus und suchte zunächst in einem „Sabbatical“ die Neuorientierung.

An Leistungsbereitschaft, Motivation und Initiative hat es Horst Mochnatzki seither nicht fehlen lassen. Seine Bewerbungen hat er nicht gezählt. „Über einhundert“, schätzt er. Aber keine hat zum Erfolg geführt. Das Jobcenter Frankfurt, dessen Kunde Horst Mochnatzki mittlerweile geworden war, ermöglichte ihm die Teilnahme am Projekt JOB JUMP. Das bedeutete eine intensive Beratung und Begleitung. Headhunter und Personalberater, mit denen Mochnatzki auch im Kontakt stand, empfahlen ihm, seine Expertise im klinischen Projektmanagement auf selbstständiger und freiberuflicher Basis als Dienstleistung anzubieten. Damit konnte er sich anfreunden, entwickelte einen fundierten Businessplan und ließ diesen auf seine Tragfähigkeit hin prüfen. Sein Ansprechpartner bei Job Jump, Gregor Reschke, begleitete ihn bei diesem Vorhaben aktiv, insbesondere durch die Gewinnung von Fördermitteln für die erforderliche Büroinfrastruktur. Dieser Weg führte dann tatsächlich zum Erfolg, wenn auch unerwartet.

Seit 1. April 2017 arbeitet Horst Mochnatzki für die Ecron Acunova, ein Frankfurter Tochterunternehmen von TAKE Solutions. Mit diesem Auftragsforschungsinstitut für pharmazeutische und biotechnologische Unternehmen kam Horst Mochnatzki in Kontakt, weil er es als einen Kunden für seine Dienstleistungen als selbstständiger Consultant gewinnen wollte. „Könnten Sie sich auch vorstellen, als Angestellter tätig zu werden?“ Die Antwort lag auf der Hand. Damit ist Horst Mochnatzki nicht länger von Leistungen des Jobcenters abhängig – ein Ziel, das er wohl auch als Freiberufler erreicht hätte. Die Existenzsicherung während der Arbeitsuche und die Unterstützung beim Aufbau der beruflichen Selbstständigkeit hat Horst Mochnatzki vom Jobcenter Frankfurt erhalten. Darüber hinaus erwähnt er ausdrücklich die „Betreuung auf Augenhöhe“ durch seinen Ansprechpartner Gregor Reschke. 

Teamleiter Jörg Röpke: „Mehr als 350 Integrationen – damit haben wir die ursprünglichen Ziele von Job Jump nicht nur erreicht, sondern übertroffen.“
Teamleiter Jörg Röpke: „Mehr als 350 Integrationen – damit haben wir die ursprünglichen Ziele von Job Jump nicht nur erreicht, sondern übertroffen.“