„Mit Herz und Verstand helfen“

Ein Jahr Praktikum bei der DekaBank – eine Chance für 40 geflüchtete junge Menschen

Wenn es um geflüchtete Menschen geht, stehen hessische Arbeitgeber nicht abseits und lassen Frankfurter Betriebe ihr Engagement nicht vermissen – in der Gemeinschaftsinitiative „Berufliche Integration von Flüchtlingen in Frankfurt“ (BIFF), im Rahmen der Aktion „Wirtschaft integriert“ oder aus eigenem Antrieb, mit maßgeschneiderten Konzepten und unternehmensspezifischen Ideen. Diesen Weg geht die Deka Bank, das Wertpapierhaus der deutschen Sparkassen.
Bereits auf dem Höhepunkt der „Flüchtlingskrise“ im Herbst 2015 fasste der Vorstand des Finanzinstituts den Beschluss, sich im Sinn von „Social Responsibility“ mit einem substantiellen Beitrag bei der Integration von geflüchteten Menschen zu engagieren. „Neben dem eindrucksvollen Engagement der Zivilgesellschaft sind auch die Unternehmen im Rahmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gefordert, einen Beitrag zur Flüchtlingshilfe zu leisten“, erklärt DekaBank-Personalvorstand Martin K. Müller. Dies geschieht in dreifacher Weise: Als Soforthilfe hatte die Bank Ende 2015 100 mal 1000 Euro für Einrichtungen zur Verfügung gestellt, in denen sich Deka-Mitarbeiter aktiv in die Arbeit mit Geflüchteten einbringen. Zudem „Mit Herz und Verstand helfen“ Ein Jahr Praktikum bei der DekaBank – eine Chance für 40 geflüchtete junge Menschen wird im Rahmen einer bestehenden Kooperation mit dem christlichen Kinder- und Jugendwerk „Die Arche“ im Frankfurter Stadtteil Griesheim der Bau einer „Jugendarche“ erfolgen. Die Deka-Gruppe fördert diesen Bau, dessen Fertigstellung Anfang 2017 vorgesehen ist, mit einer Spende in sechsstelliger Höhe. Einen besonderen Stellenwert misst die Bank der Integration von Geflüchteten im eigenen Umfeld bei und hat für die Jahre 2016 und 2017 insgesamt 40 Praktikantenstellen für Migranten geschaffen.

Das Praktikantenprojekt der Deka zeichnet sich gleich in mehrfacher Weise aus. Zunächst durch die Dimension: In den Jahren 2016 und 2017 haben nicht nur einzelne, sondern insgesamt 40 junge Menschen mit dem Status von anerkannten Flüchtlingen die Chance, ein qualifiziertes Praktikum in diesem Finanzinstitut zu absolvieren. Sodann durch die Laufzeit: Das bezahlte Praktikum ist auf eine Dauer von zwölf Monaten angelegt und geht damit über eine erste Heranführung an die deutsche Arbeitswelt weit hinaus. Schließlich durch die Systematik: Die jungen Migranten werden in ihrer Lebenssituation abgeholt, durch ein interkulturelles Training in das Unternehmen und das deutsche Arbeitsleben eingeführt und dann auf ihrem Integrationsweg umfassend persönlich und fachlich begleitet.

Helga Dumm, die als Leiterin der Personalentwicklung und Nachwuchsförderung für das sorgfältig geplante Projekt zuständig ist, macht auf eine weitere Besonderheit aufmerksam: Mit der Umsetzung des Praktikantenprogramms hat die Deka eigens einen neuen Mitarbeiter beauftragt, Hani Foustok. In Deutschland geboren, aber aus einer syrisch-libanesischen Familie stammend, hat er selbst einen Migrationshintergrund, spricht fließend Arabisch und ist mit einem erfolgreich abgeschlossenen deutschen Masterstudium das Beispiel einer gelungenen Integration. Als permanenter Ansprechpartner steht er den Praktikanten auch altersmäßig nahe, sie sind durchschnittlich 30 Jahre alt, kommen aus Syrien, Afghanistan und dem Iran und leben in der Regel seit 2012/2013 in Deutschland. Die meisten von ihnen haben in ihren Heimatländern ein Studium in Wirtschaftswissenschaften oder Informatik absolviert und konnten teilweise auch schon erste Berufserfahrungen erwerben. Die erste Gruppe startete am 1. Juli 2016, die zweite am 1. September. An ihrer Einführung waren die Praktikanten der ersten Gruppe bereits beteiligt.

Beim Praktikantenprogramm ist ausschließlich das Jobcenter Frankfurt am Main für die Deka der Partner bei der Auswahl der Teilnehmer. Bei der Deka direkt eingehende Initiativbewerbungen sind an der Tagesordnung, sie werden aber an das Jobcenter weitergeleitet, das für die anerkannten Flüchtlinge institutionell zuständig ist. Der Status als anerkannter Flüchtling und die damit verbundene Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, ausreichend gute deutsche Sprachkenntnisse, ein gut dokumentierter Lebenslauf und ein abgeschlossenes Studium im kaufmännischen oder IT-Bereich sind die ersten Auswahlkriterien, nach denen das Jobcenter passende Profile sucht. Interessierte werden dann zu Bewerbertagen eingeladen und von Deka- Mitarbeitern im Interview auf ihre fachliche und persönliche Eignung, ihre Motivation, Integrationsbereitschaft und ihre Banken- und IT-Affinität hin befragt.

Helga Dumm: „Wir sind sehr stolz darauf, den geflüchteten Menschen im Zusammenwirken mit dem Jobcenter ein integriertes Programm anbieten zu können, das ihnen einen erfolgreichen Einstieg in adäquate Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland erleichtern wird.“ Sie unterstreicht nicht nur die gute und effektive Zusammenarbeit mit dem Jobcenter, sondern ist auch froh darüber, dass es gelungen ist, auch junge Damen und nicht ausschließlich Herren, die Hauptgruppe der Geflüchteten, in das Praktikantenprogramm aufzunehmen. Die „Förderkette“ des Jobcenters ist auch das Instrument zum Ausgleich von Defiziten. Wenn sprachliche, EDV-technische oder sonstige Schwachpunkte erkannt werden, ermöglicht das Jobcenter die erforderlichen Kurse.

Wer in das Praktikantenprogramm aufgenommen wird, erfährt zunächst einmal ein speziell entwickeltes „Onboarding“. Diese Phase hat einen hohen Stellenwert. Sie umfasst nicht nur das gegenseitige Kennenlernen, sondern auch Präsentationen zum Arbeitsalltag in Deutschland, Schulungen zu Bürokommunikation, betrieblichen Umgangsformen, Dresscode, Verhalten in der Kantine u. dgl. „Wir wollen von Anfang an bestmöglich dafür sorgen, dass sich die neuen Kolleginnen und Kollegen schnell integrieren können“, erklärt Hani Foustok. Diesem Zweck dient vor allem das interkulturelle Training, das für die Praktikanten und gleichermaßen für die Mitarbeiter, die mit den neuen Praktikanten zusammenarbeiten, angeboten wird. Ein erfahrener Dozent der Universität Worms leistet diesen Part, er trainiert und sensibilisiert die Programmteilnehmer für das deutsche Wertesystem, die kulturellen deutschen Eigenheiten und – so Helga Dumm – die „Erfolgsfaktoren für ein gutes Miteinander im deutschen beruflichen Alltag, wie z. B. Pünktlichkeit und die ausgeprägte Feedback-Kultur, die den Teilnehmern aus arabischen Ländern in der Kommunikation weniger vertraut ist“.

In den folgenden Phasen arbeiten die Projektteilnehmer dann in den Fachabteilungen. Sie werden auf der Grundlage von Einarbeitungsplänen z. B. in den Bereichen Finanzen, Immobilienmanagement, Compliance und Kostenmanagement sowie Inhouse-Beratung eingesetzt. Sie haben die Möglichkeit, während des Praktikums auch an vielen internen Schulungen teilzunehmen, die Regulatorien der Bankenwelt kennenzulernen und sich mit einem großen Spektrum von Themen wie Compliance, Geldwäsche, Finanzkriminalität, Arbeits- und Informationssicherheit zu befassen. Auch in den Fachbereichen haben die Praktikanten neben ihrem zentralen Ansprechpartner Hani Foustok ihre jeweiligen Betreuer, die sie fachlich begleiten. Zusätzlich stehen fachlich unabhängige „Paten“ als Berater in persönlichen Situationen zur Verfügung. All diese Elemente eines integrierten Praktikantenprogramms haben das Ziel, die Teilnehmer an einen nachhaltig erfolgreichen Berufsweg heranzuführen.

Am Ende des einjährigen Praktikums stellt die Deka ein qualifiziertes Arbeitszeugnis aus – ein wichtiges Dokument, das Chancen intern und extern eröffnet. Für wichtiger aber als diesen „Türöffner zum deutschen Arbeitsmarkt“, so Hani Foustok, erachtet Personalvorstand Martin K. Müller die gewonnen Erfahrungen und Erkenntnisse – nicht nur in fachlicher Hinsicht, sondern auch bei der kulturellen und sozialen Integration in das Arbeitsleben. Ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache sind auch für ihn ein wichtiger Faktor der Arbeitsmarktintegration, aber er beurteilt den Sachverhalt differenziert: „Unsere Praktikanten haben bereits ein hohes Sprachniveau erreicht und nach einem Jahr in der Deka-Arbeitswelt wird Deutsch kein Thema mehr sein. Ich würde immer sagen, versuchen Sie nach dem Praktikum nicht, noch viel Zeit auf den Erwerb eines weiteren Sprachzertifikats zu verwenden. Denn in den großen Unternehmen wird tendenziell mehr und mehr Englisch gesprochen. Deutsch ist sicherlich eine Voraussetzung, aber es scheint mir ausreichend, wenn man sich auf Deutsch gut verständigen kann. Eine Abiturnote in Deutsch als Fremdsprache halte ich nicht für erforderlich.“

Martin K. Müller sieht für den einen oder anderen Praktikanten gute Perspektiven, z. B. als Trainee bei der Deka weiterbeschäftigt zu werden. Er unterstreicht gleichzeitig, dass personalstrategische Überlegungen für das Projekt nicht bestimmend sind: „Wir hatten nicht das Kalkül, qualifizierten Nachwuchs auf diesem Weg zu finden oder einen materiellen Nutzen aus dem Projekt zu ziehen. Wir wollen in unserem Rahmen einen nachhaltigen Beitrag leisten, nicht indem wir eine große Zahl von Praktikanten für kurze Zeit beschäftigen, sondern einer überschaubaren Gruppe von Teilnehmern den Einstieg ermöglichen, sie sollen wirklich Fuß fassen können. Das verstehen wir unter Nachhaltigkeit. Man kann immer nur punktuell helfen, aber wo man es tut, sollte man es mit Herz und Verstand machen. Ich bin mir sicher, wir werden 40 Botschafter haben, die hinausgehen und sagen, so kann man in Deutschland Arbeitsalltag lernen, so kann man sich integrieren und so kann man an anderer Stelle weitermachen. Das kann ein Anstoß sein, dem andere folgen.“

Helga Dumm erzählt: „Ich bin tief beeindruckt von den jungen Menschen, die wir bisher in unser Programm aufgenommen haben. Sie haben teilweise erschütternde Erfahrungen mitgemacht. Trotzdem sind sie von Engagement, einem bejahenden Lebensgefühl und einer positiven Einstellung erfüllt. Sie wollen hier wieder Fuß fassen, sind bereit, sich zu integrieren, und wollen in ein normales Leben hineinfinden, wie sie es in ihren Heimatländern geführt haben, bevor die schlimmen Zeiten angefangen haben. Arbeit hat eine zentrale Bedeutung für ihren eigenen Stellenwert im Leben.“

Personalvorstand Müller zieht ein persönliches Fazit: „Es ist eine Bereicherung für uns, mit diesen neuen Kolleginnen und Kollegen zusammenzukommen, weil sich auch unser Blickwinkel für kulturelle Besonderheiten erweitert. Wir lernen, offener auf Menschen zuzugehen und es bringt uns weiter, wenn wir uns mit anderen Kulturen auseinandersetzen. Wir sind ein deutsches Finanzinstitut, aber wir haben auch jetzt schon zahlreiche Nationalitäten in der Belegschaft, vor allem im Kapitalmarktgeschäft und Asset Management. Je mehr wir interkulturelle Kompetenz erlangen, umso eher werden wir auch Fachfremde und Talente anderer Provenienzen für uns gewinnen. In einem sich stark verändernden Arbeitsmarkt muss sich jedes Unternehmen, auch die Finanzdienstleistungs-Branche, bemühen, Menschen für sich zu begeistern und Offenheit zu zeigen. Darin liegt unser Gewinn bei diesem Projekt.“