Welche Auswirkungen hat COVID-19 auf den Frankfurter Arbeitsmarkt? Eine erste Einschätzung

Die Coronakrise setzt den Arbeitsmarkt massiv unter Druck. Die Finanzkrise 2008/2009 ist für einen Vergleich wenig geeignet. Grund dafür ist, dass in der Finanzkrise vor allem Industrie und Exportwirtschaft und zumeist große Betriebe die Hauptbetroffenen waren. Ansonsten waren Reisetätigkeiten und Konsumverhalten jedenfalls nicht direkt betroffen, und es erfolgten Neueinstellungen, wohl auch angesichts der Einschätzung einer temporären Krise und des Fachkräftebedarfs.

Heute sind sehr viele Bereiche gleichermaßen betroffen: Läden sind und waren geschlossen, Förderbänder stehen still, Restaurants sind geschlossen, Flugzeuge bleiben am Boden, Reisen finden nicht statt. Diesmal trifft es eine Vielzahl von Branchen mit vielen Kleinst- und Kleinbetrieben, u. a. auch den Dienstleistungsbereich, der in Frankfurt im Vergleich zu Hessen überproportional betroffen ist. In einigen stark betroffenen Dienstleistungsbranchen wie Tourismus, Gastronomie oder Messewesen werden mögliche Nachholeffekte den Ausfall kaum kompensieren können.

Die Arbeitgeber versuchen die Krise durch die Nutzung von Kurzarbeit zu überbrücken. Das Durchhaltevermögen ist aber abhängig von den Rücklagen und den Lockdown-Regelungen, durch die die Branchen allerdings unterschiedlich betroffen sind. Je länger der noch bestehende Lockdown in einigen Branchen dauert, je weniger Umsatz gemacht wird, desto größer sind die erwarteten Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Manche Betriebe werden ihre Belegschaft signifikant reduzieren müssen, manche die Krise nicht überstehen; es wird zu Entlassungen und Schließungen kommen. Trotz der bestehenden Hilfen ist somit damit zu rechnen, dass die Anzahl an Insolvenzen und die Arbeitslosigkeit sowohl im Bereich der Arbeitslosenversicherung als auch der Grundsicherung ansteigen wird. Durch die Kurzarbeiterregelungen dürfte der Anstieg der Arbeitslosigkeit aber deutlich gebremst werden.

Für Arbeitssuchende werden die Chancen auf eine Neustellung in der Krise leider nicht besser. Angesichts der in weiten Teilen ruhenden Wirtschaft bleiben Neu- und Wiedereinstellungen in vielen Bereichen vorerst aus. Für Arbeitslose und die Arbeitsagenturen bietet das die Chance, Qualifizierungen voranzutreiben.

Wichtig für die Nachwuchssicherung und die Berufschancen der jungen Menschen ist es, dass Betriebe keine laufenden Ausbildungsverträge auflösen oder das Angebot an Ausbildungsstellen reduzieren, sondern an ihren Ausbildungsplänen festzuhalten. (Stand 24.04.2020)

Dr. Carola Burkert, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Hessen