GPE: Vermittlungscoaching in Coronazeiten – die bestehenden Strukturen erhalten

Die von Volker Tusche und Klaus Groppe im Jahr 2005 gegründete Gesellschaft für Personalentwicklung mbH (GPE) richtet ihren Fokus auf die Vermittlung von Arbeitslosen. Sie erzielte bisher Jahr für Jahr rund 2.000 Integrationen in Arbeit und Ausbildung und ist damit ein wichtiger Partner des Jobcenters Frankfurt am Main und ein Transmissionsriemen in die Wirtschaft. Sind Vermittlungen in Coronazeiten überhaupt möglich, wenn viele Unternehmen Kurzarbeit und Überbrückungshilfen beantragen, Arbeitslose mit den Beschränkungen zu kämpfen haben und das Jobcenter seine Aktivitäten primär auf die Sicherung der Leistungen zum Lebensunterhalt und nicht auf die Teilnehmerzuweisung in Maßnahmen ausrichtet?

Prokurist Henry Urmann berichtet, dass die GPE bereits in einem frühen Stadium Ende Februar Hygienemaßnahmen für ihr individuelles Vermittlungscoaching forciert hat, die sich zuvor bei Grippewellen bewährt hatten – kein Händeschütteln, Desinfektion, Ausdünnung der Gruppensitzungen. Mit Inkrafttreten des staatlichen „Betretungsverbotes“ am 18. März 2020 wurde das Präsenzcoaching mit mindestens einem obligatorischen Termin pro Woche sofort auf ein reines Telefon- und Videocoaching unter Nutzung aller digitalen Möglichkeiten zum Austausch von Dokumenten und Übungslektionen umgestellt. Für die Maßnahmeteilnehmer und die Coaches war die telefonische und digitale Kommunikation nichts Ungewohntes, da sie auch zuvor schon ein zusätzliches anlassbezogenes Standardinstrument der Betreuung war, z. B. um die schnelle Reaktion auf Stellenangebote zu gewährleisten. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde Homeoffice angeboten und PCs mit Datenbankanbindung und Smartphones als Dienstgeräte zur Verfügung gestellt. Die Umstellung war für alle Beteiligten relativ problemlos. Die Teilnehmer waren telefonisch gut erreichbar und nur eine kleine Anzahl von ihnen konnte sich mit der neuen Betreuungsform nicht anfreunden.
GPE-Geschäftsführer Volker Tusche (li.) und Prokurist Henry Urmann
GPE-Geschäftsführer Volker Tusche (li.) und Prokurist Henry Urmann
Für Volker Tusche hatte der Gesundheitsschutz von Mitarbeitern und Teilnehmern die aller oberste Priorität. Ebenso wichtig war ihm, den Teilnehmern das bestmögliche, breite Angebot zur Teilhabe am Arbeitsleben unter den besonderen Bedingungen weiterhin zu erschließen. „Wir mussten uns unverzüglich auf die veränderte Situation auf dem Arbeitsmarkt einstellen.“ Dafür wurden zunächst die Bereiche, Wirtschaftszweige und Berufsgruppen identifiziert, in denen trotz Corona mit einem weiteren Personalbedarf zu rechnen war: Gesundheit, Einzelhandel, Lager/Logistik, Sicherheit und in einem gewissen Umfang Callcenter. Aus dem Teilnehmerkreis wurden Bewerberpools gebildet und bei Arbeitgebern – in der Regel Stammkunden – der Bedarf abgefragt. Wie zuvor konnten die im Coaching erarbeiteten Bewerberprofile sogleich übermittelt werden. Klaus Groppe weist darauf hin, dass der Coach eine wichtige Funktion zu erfüllen hatte: Er war Fürsprecher für den Arbeitsuchenden und zugleich ein ehrlicher Makler gegenüber dem Arbeitgeber, der sich auf die Empfehlung verlassen können musste. In diesem vertrauensbildenden Sinn wurden auch mögliche Bewerberdefizite offen benannt. Die Bewerbungsgespräche wurden in der Regel bis zum Vertragsabschluss nur telefonisch geführt, Arbeitgeber und neue Mitarbeiter lernten sich vielfach erst bei Vertragsunterzeichnung oder bei Arbeitsbeginn persönlich kennen.
Klaus Groppe, Geschäftsführer und Mitbegründer der GPE
Klaus Groppe, Geschäftsführer und Mitbegründer der GPE
Das System hat funktioniert und funktioniert bis heute, wenn auch nicht in der Größenordnung der Vorjahre, die von einem hohen Personalbedarf in einer boomenden Konjunktur geprägt war. Der Vermittlungsarbeit in der Coronakrise ist ein Instrument zustatten gekommen, das die GPE bereits im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hatte: eine App, die den Teilnehmern Zugang zur Datenbank der offenen Stellen verschafft. Die Erkenntnis, dass das Knowhow im Umgang mit mobilen Endgeräten in der Arbeitswelt und inzwischen auch bei einfachen Tätigkeiten unerlässlich ist, hat sich in der Coronazeit verstärkt. Die entsprechende Kenntnisvermittlung wird deshalb im Coaching einen höheren Stellenwert bekommen. Das individuelle Vermittlungscoaching der GPE ist gegenwärtig noch eine Kombination aus Präsenzterminen und medialer Betreuung. „Das persönliche Kennenlernen von Teilnehmer und Coach ist nicht zu ersetzen“, meint Volker Tusche, „aber wir hoffen, die Erfahrungen nutzen und mediengestützte Betreuungsformen mit Präsenzcoaching künftig kombinieren zu können.“

Henry Urmann, ein aufmerksamer Analytiker des Arbeitsmarkts, wagt keine Prognose zur Entwicklung in der Rhein-Main-Region: „Der Flughafen, die Banken, die Messe. Hier stehen viele Fragezeichen.“ Volker Tusche bringt seine Auffassung auf den Punkt: „Wir sind dem Jobcenter sehr dankbar für die unverzügliche Öffnung der Maßnahmen durch Zulassung von alternativen Methoden der digitalen Durchführung. Dadurch konnten die bestehenden erfolgreichen Strukturen erhalten werden. Die Krise nutzen wir als Chance in der Gestaltung unserer künftigen Arbeit.“