Frauenförderung, Chancengleichheit und Gender Mainstreaming

Claudia Bock: Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA)

Mit „Elterncoaching“ fördert das Jobcenter Frankfurt am Main die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Rahmen eines neuen Modellprojekts: Im alten Höchster Postgebäude in der Hostatostraße werden in der Krabbelstube Kinder im Alter zwischen drei Monaten und drei Jahren betreut. 40 Plätze stehen dafür zur Verfügung, 20 sind für das Modellprojekt „Familienstart“ bestimmt. Teilnehmer sind junge alleinerziehende Eltern ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Die Betreuung der Kleinkinder soll es den allein erziehenden Müttern und ggf. Vätern ermöglichen, eine Lehrstelle zu finden, um den fehlenden Berufsabschluss nachzuholen.

Modellprojekt

„Keine abgeschlossene Berufsausbildung ist der Hauptgrund dafür, dass Alleinerziehende keine Arbeitsstelle finden“, erklärt Claudia Bock vom Jobcenter, „aber auch die Kinderbetreuung muss sichergestellt sein.“ Beide Problemsituationen sollen bei diesem Projekt gleichermaßen gelöst werden. Hinzu kommt eine sozial-pädagogische Betreuung durch Gruppentreffen, Hausbesuche, individuelle Termine und Gemeinschaftsaktionen, z. B. Besuche beim Berufsinformationszentrum. Das Projektbüro der Krabbelstube ist die Anlaufstelle für die Teilnehmerinnen.

Das Modellprojekt „Familienstart“ ist eine Gemeinschaftsinitiative der Gesellschaft für Jugendarbeit und Bildungsplanung als Träger der Einrichtung mit der BHF-Bank-Stiftung und dem Jobcenter Frankfurt, die die Finanzmittel bereit stellen, und der Stadt Frankfurt, die ihren Anteil durch die Finanzierung des Regelbetriebs leistet. Das Projekt soll bis zum nächsten Jahr laufen. Die Erkenntnisse sollen für eine künftige Ausgestaltung auf einer breiteren Basis ausgewertet werden. Deshalb wird „Familienstart“ wissenschaftlich begleitet.

Alleinerziehende im Fokus

Mit „Familienstart“ setzt das Jobcenter Frankfurt seine Maßnahmen zur Verbesserung der Chancen von Alleinerziehenden auf dem Arbeitsmarkt fort. Die Förderung dieser Personengruppe bildete auch bisher einen der geschäftspolitischen Schwerpunkte des Jobcenters. Die Koordination der Aktivitäten lag im Verantwortungs- und Zuständigkeitsbereich von Claudia Bock. Ihr wurde jetzt die Funktion der „Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt“ (BCA) übertragen eine Stabsstelle, die es bisher bereits in den Arbeitsagenturen gab und die der Gesetzgeber nun auch für die Jobcenter vorgeschrieben hat.

Aufgaben und Ziele

Um drei Hauptbereiche kümmert sich Claudia Bock als BCA des Jobcenters Frankfurt: die Frauenförderung, die Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt und die Förderung und Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei beiden Geschlechtern. Claudia Bock ist bei diesen Themen Ansprechpartnerin sowohl für Arbeitgeber als auch für die Arbeitsuchenden des Jobcenters, darüber hinaus berät und unterstützt sie die Fach- und Führungskräfte des Jobcenters in geschlechterspezifischen Fragestellungen und ist an der frauen- und familiengerechten Aufgabenerledigung des Jobcenters beteiligt. Ein besonderer Fokus liegt auf der Vernetzung der Aktivitäten des Jobcenters mit kommunalen und anderen Projekten, etwa durch Beteiligung an der dezernatsübergreifenden Arbeitsgruppe „Zukunft für Frankfurter Kinder sichern“.

Berufsrückkehrerinnen

Die Unterstützung und Beratung von Berufsrückkehrerinnen und -rückkehrern zum schrittweisen Wiedereinstieg ist Claudia Bock ein besonderes Anliegen. Unter dem Motto „Erfolgreich ins Berufsleben“ wird dafür weiterhin der „Jour Berufsrückkehr“ Frauen und Männern nach der Familienphase bzw. der Pflege von Familienangehörigen angeboten.

Schließlich unterstützt Claudia Bock die persönlichen Ansprechpartner der Arbeitsuchenden im Jobcenter durch eine praxisgerechte und aktuelle Darstellung der regionalen Kinderbetreuungseinrichtungen und der alternativen Unterbringungsmöglichkeiten, z. B. bei Tagesmüttern, insbesondere der Verfahrenswege, Kosten und Kontaktadressen.

Der Stellenwert von Frauenförderung, Chancengleichheit und Gender Mainstreaming soll auch nach außen sichtbar werden: Das Jobcenter beteiligt sich auch an der 6. Frankfurter Familienmesse, die am 21. August 2011 im Palais am Zoo, Alfred-Brehm-Platz, stattfindet.
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Claudia Bock ist beim Jobcenter Frankfurt die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA). Die 41-jährige Mutter einer achtjährigen Tochter ist gelernte Restaurantfachfrau, hat das Hessenkolleg und ein betriebswirtschaftliches Studium an der FH Wiesbaden absolviert und war als Projekt- und Geschäftsführungsassistentin für Unternehmen und Beratungsgesellschaften tätig. Für das Jobcenter Frankfurt arbeitet sie seit 2006.

„Gender Mainstreaming“
bezeichnet den Versuch, die Gleichstellung beider Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Ebenen durchzusetzen. Im Unterschied zur Frauenförderung sind bei Gender Mainstreaming beide Geschlechter gleichermaßen einbezogen. „Gender“ bezeichnet gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägte Geschlechterrollen von Frauen und Männern, die anders als das biologische Geschlecht – erlernt und damit auch veränderbar sind. „Mainstreaming“ meint den Versuch, benachteiligte Gruppen bzw. Randgruppen in die Mitte der Gesellschaft – also den mainstream – zu bringen. Die Ziele und Notwendigkeiten der „Gleichstellungspolitik“ im Sinn von Gender Mainstreaming werden in Deutschland von einem breiten gesellschaftlichen und politischen Konsens getragen. Die Europäische Union hat 1997/1999 durch den Amsterdamer Vertrag das Konzept zum offiziellen Ziel der Gleichstellungspolitik erklärt.