Umsatteln auf die Zukunft Jobcenter ermöglicht die Ausbildung zum Fahrradmonteur

„Umsatteln auf die Zukunft“ bedeutet für diesen Teilnehmer, dass er sich zum Fahrradmonteur beim Internationalen Bund (IB) ausbilden lassen möchte.
„Umsatteln auf die Zukunft“ bedeutet für diesen Teilnehmer, dass er sich zum Fahrradmonteur beim Internationalen Bund (IB) ausbilden lassen möchte.

„Fahrrad“ liegt ganz im Trend der Zeit. Die Branche erlebt einen regelrechten Boom mit einem Zuwachs von 30 bis 40 Prozent, wie Zweiradmechanikermeister Stefan Enders schätzt. Seit frühester Kindheit beschäftigt er sich mit dem Thema Zweirad mit und ohne Motor und seit dreißig Jahren ist es sein Beruf. Jetzt hat er als Ausbilder in einem innovativen Projekt der IB Südwest gGmbH eine besondere Aufgabe. Die IB Südwest gGmbH gehört zum Internationalen Bund e. v. (IB) und ist in den Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland an 170 Standorten mit 2.400 Mitarbeitenden aktiv. Der freie Träger realisiert für das Jobcenter Frankfurt am Main eine Maßnahme der beruflichen Weiterbildung „Ausbildung zum Fahrradmonteur“. Fahrradmonteur/-in ist ein anerkannter zweijähriger Ausbildungsberuf mit guten Chancen auf einen Job mit Zukunftsperspektiven. Seine Begeisterung für Zweiräder will Stefan Enders den Maßnahmeteilnehmern vermitteln, sie gleichzeitig aber auch an ein professionelles Arbeiten heranführen.

Das Projekt startete im August 2020 und hat zwei Phasen: Die erste, bis Ende Juli 2021 laufende Phase ist als „Vorschaltmaßnahme“ konzipiert. Daran schließt sich dann die eigentliche zweijährige Ausbildung an – allerdings nur für jene Teilnehmer/-innen, die in der „Vorschaltmaßnahme“ ihre Ausbildungsfähigkeit in diesem Beruf durch verschiedene Eignungstests und aktive Mitwirkung gezeigt haben. Die Maßnahme ist ein niederschwelliges Angebot des Jobcenters ohne besondere Zugangsvoraussetzungen über den Hauptschulabschluss hinaus. Interesse am Fahrrad, handwerkliches Geschick und gewisse mathematische Grundkenntnisse werden erwartet. Darauf baut Stefan Enders auf, fördert die Vorkenntnisse, gibt praktische Unterweisungen und lässt Montage- und Reparaturarbeiten ausführen, sowohl an neuen Fahrrädern mit aktueller Technik als auch an „Oldtimern“, wie z. B. einem seltenen Getriebefahrrad aus den 30er Jahren, an dem er die Mechanik von damals zeigen und erläutern kann. Das Programm der „Vorschaltmaßnahme“ orientiert sich am ersten Ausbildungsjahr. 35 Wochenstunden umfasst die Anwesenheitspflicht in der Einrichtung bei IB, vier weitere Stunden haben die Teilnehmer für Arbeiten zuhause zur Verfügung.

Bernd Weilbeer vom Maßnahmemanagement des Jobcenters Frankfurt, der Ausbilder Stefan Enders und die Sozialpädagogin (B. A.) Mariel Seitz (v. l. n. r.).
Bernd Weilbeer vom Maßnahmemanagement des Jobcenters Frankfurt, der Ausbilder Stefan Enders und die Sozialpädagogin (B. A.) Mariel Seitz (v. l. n. r.).

Gleichrangig mit der fachlichen Anleitung erhalten die Teilnehmer eine sozialpädagogische Begleitung durch die Sozialpädagogin Mariel Seitz. Im Sinn einer ganzheitlichen Betreuung ist sie die direkte Ansprechpartnerin für die Teilnehmer gewissermaßen „in allen Lebenslagen“ und hilft bei Bedarf in den kleineren oder größeren Problemsituationen psychischer, gesundheitlicher oder sozialer Art. Es geht um die Überwindung von Stolpersteinen auf dem Weg in eine gesicherte berufliche Zukunft. Am Beginn der Maßnahme steht ein Erstgespräch, das der ganzheitlichen Situationsanalyse dient und die Handlungsansätze definiert, die dann in einen Förderplan einfließen.

Hauptinstrument für Mariel Seitz ist das beratende Gespräch, einzeln oder in der Gruppe. Die aktuelle Gruppe allerdings besteht nur aus drei Teilnehmern. Damit wird die Kapazität von 16 verfügbaren Plätzen in der Vorschaltmaßnahme gegenwärtig nicht ausgeschöpft, wie Manuel Barth, der bei der IB gGmbH für das Projekt zuständige Leiter Migration, Sprache und Wohnen, feststellt. Acht Teilnehmer/-innen könnten dann in der zweiten Phase die Ausbildung aufnehmen. Die Möglichkeit zum laufenden Einstieg lässt erwarten, dass sich die Teilnehmerzahl erhöht, auch wenn Kundinnen und Kunden des Jobcenters bei einer veränderten Coronalage wieder direkt auf das Fortbildungsangebot zum Fahrradmonteur angesprochen werden können. Bei der Durchführung der Maßnahme wird streng auf die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln geachtet. Masketragen ist obligatorisch. IB ist für den Fall gerüstet, dass der Präenzbetrieb coronabedingt eingestellt werden muss. Dann geht die Maßnahme „in alternativer Durchführung“ weiter, d. h. digital und online.