„Chancen nutzen – Wege eröffnen“

Die Fachtagung Migration des Jobcenters Frankfurt am Main

Menschen mit Migrationshintergrund bilden einen geschäftspolitischen Schwerpunkt, seit das Jobcenter Frankfurt am Main im Jahr 2005 gegründet wurde. Die Fördermaßnahmen zielen vor allem darauf, Vermittlungshemmnisse abzubauen, die die Aufnahme einer Beschäftigung verhindern oder erschweren. Unzureichende Kenntnisse der deutschen Sprache stehen an erster Stelle der Defizite. Die allgemeinen Deutschkenntnisse sind Bestandteil der Integrationskurse und nicht generell Aufgabe des Jobcenters, das allenfalls die berufsbezogenen Sprachkenntnisse angehen kann und dies auch nur im Rahmen der beruflichen Qualifizierung. Zur Beratung dieses ebenso wichtigen wie schwierigen Themenfeldes führte das Jobcenter Experten, Arbeitsmarktakteure und aus den eigenen Reihen die „Persönlichen Ansprechpartner“ der Arbeitslosen zusammen. Unter dem Motto „Chancen nutzen, Wege eröffnen“ ging es um die „Erwerbsintegration von Migrantinnen und Migranten“. Neben den berufssprachlichen Deutschkenntnissen stand die Anerkennung von fachlichen Qualifikationen, die im Ausland erworben wurden, im Fokus der Beratungen und Diskussionen.

Claudia Czernohorsky-Grüneberg, die Geschäftsführerin des Jobcenters Frankfurt am Main, wies in ihrer Einführung darauf hin, dass die Fähigkeiten und Kenntnisse der Zugewanderten sowie ihre Motivation im Fokus stünden. Förderinstrumente müssten so gestaltet sein, dass sie die Potenziale der Zugewanderten für die Integration in Arbeit erschließen und Zugewanderte dabei unterstützen, ihren eigenen Weg in den Arbeitsmarkt zu finden. Die Fachtagung biete die Möglichkeit, im gegenseitigen Austausch neue Impulse für die Gestaltung von Förderinstrumenten zu erhalten.

Dr. Carola Burkert vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Hessen referierte über „Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration von Migrantinnen und Migranten“ und erläuterte anhand statistischer Auswertungen die Indikatoren, die für die Arbeitsmarktintegration von Migranten entscheidend sind. Als Schlüsselfaktoren nannte sie als erstes gute und sehr gute Deutschkenntnisse – hier besteht ein enger Zusammenhang mit einer höheren Erwerbsbeteiligung, einer qualifikationsadäquaten Beschäftigung und höheren Löhnen – und sodann die Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen. Die institutionelle Anerkennungsberatung sei ein wichtiger und unerlässlicher Baustein für den Anerkennungserfolg oder das Einschlagen von alternativen Wegen. Die wesentlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration seien neben deutschen Sprachkenntnissen und der Anerkennung von ausländischen Abschlüssen die Bildungs- und Berufsabschlüsse sowie die sozialen Netzwerke. Immerhin 55 Prozent der Zuwanderer finden ihre erste Arbeitsstelle durch Familienangehörige, Freunde und Bekannte. Die Referentin verwies auf eine interessante Entwicklung: Je jünger, desto höher sei der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund. In Frankfurt hätten 77.5 Prozent der unter Sechsjährigen, 67,7 Prozent der 6- bis 18-Jährigen und 43,9 Prozent der 18- bis 25-Jährigen einen Migrationshintergrund – deutlich mehr als vergleichbaren Großstädten (z. B. Hamburg mit 48,9, 43,9 und 30,8 Prozent).

Die Erfahrungen in den zwei Jahren nach Einführung der Anerkennungsgesetze auf Bundes- und Landesebene wurden bei einer Podiumsdiskussion beleuchtet, an der sich Vertreter einer Anerkennungserstberatungsstelle, der IHK und HWK, und des IQ-Netzwerkes beteiligten. In Hessen ist die Beratung durch regelmäßige Sprechzeiten und Beratungstermine in allen Landkreisen und kreisfreien Städte sichergestellt. In manchen Monaten entfällt ein Anteil von 20 bis 25 Prozent aller IQ-Beratungen in Deutschland auf Hessen. In Frankfurt besteht eine Hotline für die Erstberatung, eine terminierte persönliche Anerkennungserstberatung durch berami e. V. und eine offene Sprechstunde der IQ-Beratung in der Arbeitsagentur. Fehlen Nachweise, so bieten IHK und HWK die Qualifikationsfeststellungsverfahren an, außerdem gib es Teilanerkennungen und Anpassungsqualifizierungen. Arbeitgeber sollten angesichts des Fachkräftemangels die Anerkennungsverfahren stärker nutzen.
Barbara Onuk, in der Grundsatzabteilung des Jobcenters Frankfurt für Migration und Soziales zuständig, befasste sich in ihrem Vortrag mit den Fragen: Warum fällt es vielen zugewanderten Personen so schwer, deutsche Sprachkenntnisse zu erwerben, die im Berufsleben erforderlich sind? Was bedeutet berufssprachliches Deutsch und wo wird berufssprachliches Deutsch erworben? Wo liegen die Möglichkeit und Grenzen der Deutschförderung in Maßnahmen zur Eingliederung in Arbeit? Ihr Fazit: „Es ist sinnvoll, die Vermittlung von fachlicher Qualifizierung und sprachlichen Kenntnissen zu verknüpfen.“ Wirksam sei die „integrierte Deutschförderung“ im Sinn der Verknüpfung von fachlicher Kenntnisvermittlung und Erweiterung der Deutschkenntnisse durch „Teamteaching“ von fachlicher Anleitung und Sprachlehrkraft. „Es werden die sprachlichen Kompetenzen vermittelt, die für die fachliche Qualifizierung benötigt werden – nicht mehr und nicht weniger.“

„Integrierte Deutschförderung“ wird in Frankfurt am Main bereits in einzelnen Maßnahmen zur Eingliederung in Arbeit durchgeführt – ein Ansatz, der in einer weiteren Podiumsdiskussion von Sprachlehrkräften vorgestellt und erörtert wurde. Ein Beispiel ist das Aktivcenter Lager/Logistik der GFFB, ein niederschwelliges Angebot, das vorwiegend Teilnehmerinnen zwischen 20 und 60 Jahren nutzen. Die Sprachförderung findet dreimal wöchentlich im Rahmen der Qualifizierung und Beschäftigung statt und dient der Vermittlung von Sprachfähigkeiten, die für eine Beschäftigung im Bereich Lager/Logistik benötigt werden. Die Werkstatt Frankfurt führte eine abschlussorientierte Maßnahme im Einzelhandel durch, an der vorwiegend Lernungewohnte teilnahmen. Für sie war die integrierte Deutschförderung im Rahmen der allgemeinen Lernförderung ein Förderinstrument. Ähnlich konzipiert ist die Qualifizierung zur Fachkraft in der Altenpflege – ein erfolgreiches Projekt mit 55 Teilnehmern. Schwierig gestaltet sich jeweils die Finanzierung. Im Aktivcenter trägt die Stadt Frankfurt die Kosten der integrierten Sprachförderung, in den abschlussorientierten Qualifizierungen wird dieser Teil über das IQ-Netzwerk als Modellprojekt finanziert. Die Integrationskurse im Rahmen des ESF-BMAS-Programms sehen die Förderung der berufsbezogenen Sprachentwicklung nicht vor. Hier sind Formen der Kofinanzierung erforderlich. Ein Beispiel dafür: Das Jobcenter Frankfurt am Main fördert in einem rechtskreisübergreifenden Projekt mit der Arbeitsagentur und der Stadt Frankfurt eine Vorschaltmaßnahme zur Klärung der fachlichen und sprachlichen Eignung für eine Umschulung in den Bereichen Hauswirtschaft und Gebäudereinigung mit integrierter Deutschförderung.

Die Fachtagung war mit einer Informationsbörse verbunden, an der sich Arbeitsmarktakteure mit ihren Angeboten für arbeitsuchende Migrantinnen und Migranten vorstellen konnten. Die Börse fand großen Zuspruch und wurde für die Netzwerkbildung genutzt.