Neustart mit Ausbildung

Afghanische Ärztin wird Medizinische Fachangestellte – Chirurg Dr. Osman bildet aus
Dr. Osman
Der Chirurg Dr. med. Basir Osman MD betreibt in Frankfurt das „Kaiser Medical Center“ und bildet hier Azita Razaie zur Medizinischen Fachangestellten aus, nachdem sie sich vergeblich sechs Jahre um die Anerkennung ihres in Afghanistan absolvierten Medizinstudiums bemüht hat.
„Die schönsten Geschichten schreibt das Leben bisweilen selbst. Man kann sie nicht erfinden.“ Daran erinnert man sich unwillkürlich bei Azita Razaie, einer aus Afghanistan stammenden Mutter von zwei Kindern im Alter von 8 und 4 Jahren. Mit 47 Jahren hat sie jetzt ihre Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten begonnen.

Ihre Ausbildungsstätte ist das „Kaiser Medical Center“ in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofs. „Kaiser“ steht für die Kaiserstraße. „Medical Center“ bezeichnet ein medizinisches Versorgungszentrum für ambulante Behandlungen und Operationen. Es handelt sich um die chirurgische Praxis von Dr. med. Basir Osman MD. Den Medical Doctor (MD) hat er zum Abschluss seines ersten Medizinstudiums an der Universität Kabul erlangt. In seiner afghanischen Heimat hat er praktiziert und auch seine Facharztausbildung im Wazir-Akbar-KhanKrankenhaus von Kabul absolviert. Mit dem Dr. med. hat er dann sein Studium der Humanmedizin an der Universität Rostock und der Medizinischen Hochschule Hannover abgeschlossen. Das zweite Medizinstudium war erforderlich, weil sein erstes in Deutschland nicht anerkannt, sondern als dem Abitur gleichwertig eingestuft wurde. Auf das deutsche Studium folgte die Facharztausbildung in Allgemeinchirurgie und schließlich die Gründung des „Kaiser Medical Center“ im Jahr 2015.

Azita Razaie reiste im Jahr 2011 allein aus dem Kriegsland Afghanistan in Deutschland ein – zu ihrem Mann nach Frankfurt. Auch sie hatte in Kabul Medizin studiert und ihren ärztlichen Beruf ausgeübt. Mittlerweile hat sie den Sprachkurs auf Niveau C1 erfolgreich absolviert. Aber ihre jahrelangen Bemühungen um die Anerkennung ihres Studien- und Berufsabschlusses waren bisher vergeblich. Auch eine mehrmonatige „Gasttätigkeit“ im Klinikum Wiesbaden führte nicht weiter. Seit 2019 wird sie vom Jobcenter Frankfurt im Team „Ausbildung, Beratung, Chancen“ (ABC) unterstützt. „Jetzt wollte ich nicht länger auf die Anerkennung als Ärztin warten und habe mich zur Ausbildung entschlossen“, berichtet sie in tadellosem Deutsch. Dr. Osman bot ihr die Gelegenheit in seiner chirurgischen Praxis, vielleicht in Erinnerung an seinen eigenen Berufsund Lebensweg.

Dr. Osman hat seiner Auszubildenden geraten, ihren Abschluss wenigstens als Abitur anerkennen zu lassen und ggf. eine Teilanerkennung ihres Medizinstudiums zu erreichen. Realistisch erscheint ihm auf jeden Fall die Verkürzung der dreijährigen Ausbildungszeit zur Medizinischen Fachangestellten. Seine eigene Haltung: „Für mich ist Frau Razaie eine Kollegin.“ Einer anderen jungen Frau gibt er die Gelegenheit, ihre Ausbildung fortzusetzen, die an anderer Stelle coronabedingt abgebrochen wurde. Und eine dritte 25-Jährige absolviert gerade ein sechswöchiges Orientierungspraktikum und wird dann als geringfügig Beschäftigte in der Praxis arbeiten, bis sie 2021 ihre Ausbildung beginnen kann.