Philipp Jacks
Philipp Jacks (41 Jahre, verheiratet, drei Kinder) wuchs in Kronberg im Taunus auf, engagierte sich in der Schülerarbeit und leistete nach dem Abitur seinen Zivildienst in einer Förderschule in Ginnheim. 

Während des Magisterstudiums in Soziologie und Politologie an den Universitäten Frankfurt und Köln arbeitete er im Studierendenparlament, in der Gewerkschaftsjugend, bei Attac und anderen Initiativen mit. Begleitend machte er einen High-School-Aufenthalt in den USA, zwei Jahre Work & Travel in Australien und arbeitete in einem Demokratie-Projekt in Malawi mit. Bei diversen Schüler-, Studenten- und Aushilfsjobs lernte er die ganze Bandbreite der Tätigkeiten von Büro und Buchhaltung über Lagerarbeiten und Kellnern bis zum Zeitungsaustragen, Tellerwaschen und Pizzabacken kennen.

Seit 2010 ist er hauptamtlicher Mitarbeiter der Gewerkschaft und war vor seiner Berufung zum DGB-Geschäftsführer als Jugendsekretär in Stuttgart und dann als Gewerkschafssekretär in Aalen (Baden-Württemberg) und Wiesbaden tätig. In seiner Familie ist Philipp Jacks zwar das erste Gewerkschaftsmitglied, erhielt hier aber schon seine demokratiepolitische Prägung.

Philipp Jacks neuer DGB-Geschäftsführer in Frankfurt

Kontinuität und Generationenwechsel in der Nachfolge von Harald Fiedler

21 Jahre führte Harald Fiedler die DGB-Region Frankfurt-RheinMain, bis er am 31. Oktober 2016 in den Ruhestand trat. Zu seinem Nachfolger als Regionsgeschäftsführer und Vorsitzender des Kreisverbandes Frankfurt am Main wurde der 41-jährige Philipp Jacks gewählt, der seit 1. November 2016 amtiert – ein bruchloser Übergang und gleichzeitig ein Generationenwechsel in der Führung des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Frankfurt. Neben anderen Funktionen – z. B. bei der Ständigen Wirtschafts- und Arbeitsmarktkonferenz (SWAK) – übernimmt Philipp Jacks auch im Beirat des Jobcenters Frankfurt am Main den Sitz von Harald Fiedler und wirkt als alternierender Vorsitzender dieses Gremiums. Nach einigen Monaten der aktiven Mitwirkung beurteilt er die Beratungen als sehr positiv, transparent und konstruktiv.

Wie für seinen Vorgänger hat die Arbeitsmarktpolitik vor Ort auch für Philipp Jacks einen hohen Stellenwert: „Wer arbeiten will, soll auch arbeiten können.“ Einen zweiten oder dritten Arbeitsmarkt mit geförderter Beschäftigung hält er für wichtig, solange dadurch reguläre Arbeit nicht verdrängt wird. Fortschritte erwartet er insbesondere bei der weiteren Umsetzung des „Masterplans Industrie“ zur Schaffung und zum Erhalt von Arbeitsplätzen in der industriellen Produktion, denn „wir brauchen in Frankfurt nicht nur Jobs für Hochqualifizierte“.

Eines der vorrangigen Probleme sieht der neue DGB-Vorsitzende bei den hohen Mietpreisen in der Stadt. Ein ausreichend großes Angebote von bezahlbarem Wohnraum sei erforderlich, um auch Gering- und Normalverdienern ein Leben in der Stadt zu ermöglichen. Eine lebendige Stadtgesellschaft brauche die soziale Mischung. Die Anstrengungen der Stadt seien anzuerkennen, müssten aber intensiviert werden. Auskömmliche Löhne und Gehälter ebenso wie funktionierende Systeme der sozialen Sicherung betrachtet er als Grundlage für den Erhalt des sozialen und gesellschaftlichen Friedens. Er hält es nicht für den richtigen Weg, den Mindestlohn für Geflüchtete auszusetzen, sondern sieht die Gefahr von Verdrängung regulärer Beschäftigung und in der Folge dem Erstarken von Fremdenhass. Die Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Flucht- und Asylbiografie ist für ihn gleichwohl eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen.

Große Hoffnung hat er aktuell in die Schaffung von kommunalen Sanktionsstellen für Schwarzarbeit, wie sie in Frankfurt und Wiesbaden eingerichtet werden sollen. „Die Arbeitsbedingungen in vielen Bereichen haben mit geltendem Recht leider häufig nichts mehr zu tun. Geringqualifizierte werden mit oft kriminellen und sogar mafiösen Methoden ausgebeutet – das kann man sich kaum vorstellen.“ Er appelliert auch an die Beschäftigten in den Jobcentern, die Arbeitsangebote mit kritischem Auge zu prüfen, sei es im Hinblick auf Mindestlohn pro Stunde, Pausen- und Ruhezeiten oder andere Schutzgesetze. „Wir tragen da alle eine große Verantwortung, denn als rechtsstaatliche Institutionen sind wir das Gesicht der Demokratie, und wenn wir die Menschen frustrieren und unglaubwürdig sind, verlieren sie auch den Glauben in die Demokratie, und das wäre fatal.“