Damit Elternarbeitslosigkeit nicht zu Kinderarmut führt

Die Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA) und die Initiativen des Jobcenters

Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist ein durchgängiges Prinzip des SGB II, das die rechtliche Grundlage für die Arbeit der Jobcenter bildet. „Den beiden Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA) im Jobcenter Frankfurt obliegt es, das Thema in die operativen Strategien, Projekte und Aktivitäten einzubringen. Sie wirken geschlechtsspezifischen Nachteilen am Arbeitsmarkt entgegen, indem sie die Akteure bei der Verfolgung der geschäftspolitischen Handlungsfelder und Aktivitäten beratend unterstützen.“ So formuliert es das aktuelle Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm des Jobcenters (AMIP).

Seit die Institution einer BCA für die Jobcenter bundesweit verpflichtend im Jahr 2011 eingeführt wurde, nimmt Claudia Bock diese Funktion wahr. Seit vier Jahren steht ihr Kristina Kuhn zur Seite. Der Fokus ihrer Arbeit liegt unverändert seit Beginn auf der Unterstützung der Alleinerziehenden, mit einem Anteil „von über 10 Prozent eine nicht zu vernachlässigende Zielgruppe in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik des Jobcenters Frankfurt“, so das AMIP. 

Spezifische, in der Lebenssituation begründete Anforderungen prägen diese Zielgruppe. Mit einem ganzen Bündel von Projekten, Aktionen und Maßnahmen der Aktivierung, Qualifizierung und Beratung versucht das Jobcenter, den Menschen mit Erziehungspflichten – das sind ganz überwiegend Frauen – die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erschließen. Ein vielfach bewährtes Instrument sind die regelmäßigen Informationsveranstaltungen „Erfolgreich ins Erwerbsleben … nach einer familienbedingten Auszeit“. Behandelt werden Themen, die den Wiedereinstieg in das Berufsleben nach einer Unterbrechung durch Kindererziehung oder Angehörigenpflege betreffen, z. B. Leistungen und Fördermöglichkeiten des Jobcenters, Kinderbetreuungsangebote, das Bildungs- und Teilhabepaket und der regionale Teilzeitarbeitsmarkt. „Die Informationsveranstaltungen sind häufig der Türöffner zu speziellen weiterführenden Maßnahmeangeboten“, berichtet Claudia Bock und ergänzt: „BCA-Arbeit ist Networking – Jobcenter intern, in der Vernetzung mit den vielfältigen Initiativen, Aktionen, Institutionen und Gremien in Frankfurt und darüber hinaus im intensiven Austausch auf überregionaler und bundesweiter Ebene.“ 

In diesem Sinn ist Claudia Bock in Frankfurt immer da präsent, bringt sich ein und wirkt mit, wo es um die Themen Frauen, Familie, Arbeitsmarkt und Gleichstellung geht, z. B. beim „Trialog Chancengleichheit Hessen“, dessen vierte Fachtagung im September 2017 dem Trendthema „Arbeiten 4.0 – Fit für den digitalen Wandel?“ gewidmet war. Andere Beispiele sind der Hessische Unternehmerinnentag, der Familienkongress mit dem Jahresthema 2017 „Auskommen mit dem Einkommen – Lebenswirklichkeiten von Familien“, das Frankfurter Bündnis für Familien oder das Frankfurter Allleinerziehenden Netzwerk (FAN). 

Sie engagieren sich in der Aktion „Einstellungssache! – Jobs für Eltern“: Claudia Bock (re.) und Kristina Kuhn (Mi.), die beiden Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, und Aksiniya Wolf (li.) vom Arbeitgeber-Service de
Sie engagieren sich in der Aktion „Einstellungssache! – Jobs für Eltern“: Claudia Bock (re.) und Kristina Kuhn (Mi.), die beiden Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, und Aksiniya Wolf (li.) vom Arbeitgeber-Service des Jobcenters Frankfurt am Main


Regelmäßig beteiligt sich das Jobcenter Frankfurt an der bundesweiten BA-Aktion „Einstellungssache! – Jobs für Eltern“, die dazu beitragen soll, die Chancen auf eine Erwerbsarbeit für Erziehende zu verbessern. Arbeitslosigkeit der Eltern ist der Hauptfaktor für das Armuts risiko der Kinder. Um gegenzusteuern, wurden in allen Frankfurter Jobcentern Veranstaltungen zum Thema „Midijobs – Sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse in der Gleitzone von 451 bis 850 EUR“ angeboten. Dabei wurden alle eingeladen, ihre aktuelle Bewerbungssituation in Einzelgesprächen zu beleuchten und ihnen individuelle Lösungen aufzuzeigen. „Das Angebot wurde von der überwiegenden Anzahl der Kundinnen und Kunden wahrgenommen“, berichtet Claudia Bock.

Der Hauptfokus in der Beratung von (Allein-)Erziehenden richtet sich auf die Sicherstellung der Kinderbetreuung, sowohl im vorschulischen Alter als auch im Grundschulbereich. „Ohne gesicherte Kinderbetreuung droht eine Sackgasse“, stellt Claudia Bock fest. „Das zweite gravierende Problemfeld ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum.“ In beiden Punkten kann die BCA keine Lösungsansätze schaffen, oft aber beratend helfen. Das Jobcenter selbst kann (Allein-)Erziehende aus seinem Betreuungsbereich aber durch Maßnahmen der Aktivierung und Qualifizierung unterstützen, z. B. durch die Teilzeitausbildung im Kranken- und Pflegebereich in Zusammenarbeit mit dem Träger VbFF und dem Klinikbetreiber Agaplesion oder durch Kooperationen mit dem Frauensoftwarehaus. Das Jugendjobcenter hat das Sonderprojekt „Familienstart“ in sein Regelangebot übernommen und ermöglicht jungen Müttern Ausbildung und Arbeit mit gesicherter Kinderbetreuung. Ein ganz neues Angebot ist der „Grundbildungslehrgang Hauswirtschaft mit Zusatzqualifikation Sozialwesen“, der mit dem Mehrgenerationenhaus im Gallus realisiert wird und zur Externenprüfung führt. 

Im Jobcenter Frankfurt selbst läuft noch bis Ende 2018 das aus Bundesmitteln geförderte Projekt „ABC“ (Aktivierung, Beratung und Chancen), bei dem sich 15 Persönliche Ansprechpartner/-innen um die Gruppe der Erziehenden mit Kindern zwischen 6 und 15 Jahren kümmern, um ihre häufig komplexe Situationen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen und zur Integration in den Arbeitsmarkt zu klären. Die Beratung und Netzwerkarbeit beschäftigt sich in diesem Projekt insbesondere mit den Themen Betreuungseinrichtungen, Schule und Einrichtungen der Familienhilfe. Den Integrationserfolgen dient neben der Spezialisierung auf die Zielgruppe in diesem Projekt eine günstige Betreuungsrelation.