Menschen stärken – Wege finden

Vom Aktivcenter über die Arbeitsgelegenheiten bis zur Integration von Geflüchteten – Der Caritasverband Frankfurt e. V. engagiert sich mit cariteam in der Arbeitsförderung

Dipl.-Päd. Dr. Barbara Dietsche, die Referatsleiterin Arbeitshilfen – cariteam
Dipl.-Päd. Dr. Barbara Dietsche, die Referatsleiterin Arbeitshilfen – cariteam im Caritasverband Frankfurt e. V., (li.) und Petra Spöck, Leiterin des Arbeitsbereichs Aktivcenter (re.) 

Mit mehr als 400 Teilnehmerplätzen zählen die Beschäftigungsbetriebe im Caritasverband Frankfurt e. V. zu den großen und wichtigen Einrichtungen der Arbeitsförderung in der Rhein-Main-Region. „cariteam“ – so die Bezeichnung dieses Bereichs – ist mit zahlreichen Maßnahmen, Projekten und Angeboten seit vielen Jahren ein Partner des Jobcenters Frankfurt am Main und des Arbeitsmarktprogramms der Stadt Frankfurt (FRAP).

Über 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich um Arbeitslose, von denen viele schon länger ohne Beschäftigung sind bzw. einen erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt haben. Die Maßnahmen sind breit, vielfältig und in der Mehrzahl „niederschwellig“ angelegt, haben also keine besonderen Zugangsvoraussetzungen. Bei den Teilnehmern sind Männer und Frauen zu gleichen Teilen vertreten, etwa die Hälfte sind Migranten, mehr als ein Drittel von ihnen hat keinen Berufsabschluss. Einige Maßnahmen haben einen „Qualifizierungsanteil“, d. h. die Teilnehmer werden durch die Vermittlung von Wissen, Kenntnissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten – auch im Beherrschen der deutschen Sprache – so gefördert, dass sie ein eigenständiges Leben möglichst unabhängig von Sozialleistungen führen können. Nicht in jedem Fall gelingt es, dieses Ziel zu erreichen, aber selten bleiben Fortschritte in der Entwicklung aus.

Projektzentrum Griesheim

Das Projektzentrum Griesheim in der Eichenstraße bildet einen Schwerpunkt der cariteam-Aktivitäten. Neben einer Reihe von Schulungsräumen sind hier vor allem mehrere Werkstätten untergebracht – die Textilwerkstatt, die Farb- und Gestaltwerkstatt, die Schreinerei, die Technikwerkstatt zur Aufbereitung von elektrischen und elektronischen Geräten sowie der Lehrbereich Küche und Service. 

Die Werkstätten bieten die Möglichkeit, die Teilnehmer an ein praxisorientiertes Lernen und Arbeiten heranzuführen. Selbstverständlich gibt es auch „Unterricht“ und theoretische Unterweisung in der Gruppe, z. B. wenn es um Sprachförderung geht. Vorrang hat aber die Verbindung von Theorie und Praxis, das arbeitsorientierte Lernen. Auch der Mathelehrer übt die Grundlagen des Rechnens weniger an der Tafel in der Klasse, sondern hauptsächlich in der Werkstatt. Ähnliches gilt auch für das Erlernen der deutschen Sprache – „berufs- und werkstattbezogene integrierte Sprachförderung“ am Einsatzort ist der Grundsatz, wie Dr. Barbara Dietsche erklärt. Die Dipl.-Pädagogin ist Referatsleiterin Arbeitshilfen im Caritasverband Frankfurt und Chefin von cariteam. „Was in der Werkstatt passiert, wird sprachsensibel vermittelt. Die Teilnehmer sollen die Sprache spüren und erleben. Es funktioniert, wenn sie dem Nachbarn erklären können, was sie gerade tun.“ Sprachförderung ist bei cariteam kein neues Thema, sondern wird bereits seit 2012 systematisch angeboten. Die bisher gewonnenen Erfahrungen fließen jetzt in die Betreuung von Menschen mit Flucht-, Asyl- und Migrationsbiografie ein. Die „Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen“ sind einer von fünf Tätigkeitsfeldern bei cariteam. 


Frank Aktivcenter: Im Tätigkeitsfeld „Textilwerkstatt“
Aktivcenter: Im Tätigkeitsfeld „Textilwerkstatt“ werden zunächst bei der Anfertigung von Nadelkissen Stoffteile zugeschnitten, mit der Nähmaschine genäht, gewendet, gebügelt und gefüllt. Mit Tragetaschen und Brillenetuis geht es weiter, bis schließlich das Hosekürzen geübt wird. Auch der Umgang mit der Overlockmaschine steht auf dem Programm.
Aktivcenter: In der Farb- und Gestaltwerkstatt erlernen die Teilnehmer den Umgang mit unterschiedlichen Materialien, Werkzeugen und Handwerkstechniken.
Aktivcenter: In der Farb- und Gestaltwerkstatt erlernen die Teilnehmer den Umgang mit unterschiedlichen Materialien, Werkzeugen und Handwerkstechniken für die Herstellung und farbliche Gestaltung von einfachen Formen und Geschenkartikeln. Geübt wird die Anwendung von Farbkarten, die Gestaltung einer Musterkarte und der fachgerechte Wand- und Deckenanstrich. 
Bereits seit 2012 besteht das gewerblich-technische Aktivcenter mit derzeit 100 Teilnehmerplätzen, daneben gibt es die Arbeitsgelegenheiten, das Programm zur Qualifizierung in der Altenhilfe und den Bereich Ausbildung für junge Menschen. „Fördern und Fordern“ – das Leitmotiv der „HartzReformen“ – bedeutet für cariteam die Unterstützung und Aktivierung von arbeitslosen Menschen mit den Zielen

• Abbau von Vermittlungshemmnissen zur Heranführung an den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt,
• Förderung von vorhandenen beruflichen und persönlichen Fähigkeiten,
• Unterstützung bei Bewerbungsaktivitäten und
• Nachbetreuung bei Arbeitsaufnahme.
 
Im Aktivcenter werden Teilnehmer, die häufig von einer längeren Arbeitslosigkeit geprägt sind, in einem Zeitraum von mindestens sechs Monaten ganzheitlich betreut, d. h. im Betrieb werden ihnen theoretische und praktische Inhalte in mehreren Tätigkeitsfeldern vermittelt, im persönlichen Bereich erfahren sie eine Sozialberatung – auch im Zusammenwirken mit Fachstellen wie der Schuldnerberatung und Fachambulanzen – und in den Fördereinheiten geht es um die Unterstützung bei Bewerbungen, Sprachförderung, Mathegrundlagen, Gesundheitsorientierung, Sport und Bewegung. In der Orientierungsphase lernen die Teilnehmer in einem Zeitraum von jeweils vier Wochen mindestens zwei der angebotenen fünf Tätigkeitsfelder in den Werkstätten kennen. In der Kompetenzphase vertiefen sie eines der Tätigkeitsfelder. Die Anwesenheitszeit liegt zwischen 20 und 39 Wochenstunden, für zwei Wochenstunden ist die Teilnahme an einer Projektgruppe vorgesehen. Die Anwesenheit ist verpflichtend, bei Fehlen sind auch Hausbesuche möglich. Im Sinne des Forderns ist auch die Einhaltung bestimmter Regeln obligatorisch.

Mit den Worten von Dr. Barbara Dietsche: „Im Aktivcenter probieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in unseren eigenen Betrieben und Werkstätten verschiedene Praxisfelder aus und bekommen ein Gefühl für ihre Kompetenzen und Potenziale. In den letzten Monaten haben wir Ansätze 
entwickelt, speziell die Sprachförderung und die Grundbildung in Mathematik in die betrieblichen Abläufe zu integrieren, um das Interesse an dieser Förderung durch die Möglichkeit der direkten Umsetzung zu stärken.“

Arbeitsgelegenheiten, Fortbildung in der Altenpflege, Ausbildung

Der zweite Bereich sind die Arbeitsgelegenheiten (AGH) nach § 16d SGB II, die in den ersten Jahren der „Hartz-Reformen“ unter der Bezeichnung „EinEuro-Jobs“ einen sehr viel größeren Umfang als gegenwärtig hatten. Arbeitsgelegenheiten haben das Ziel, bei der (Wieder-)Herstellung und dem Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit zu helfen. Zusätzlich zu den Leistungen der Grundsicherung vom Jobcenter erhalten die Teilnehmer eine kleine Mehraufwandsentschädigung. 

Im Rahmen von AGH werden die Teilnehmer in gemeinnützigen Betrieben, bei Einrichtungen der Caritas, bei Kirchenbetrieben und anderen Kooperationspartnern eingesetzt, z. B. in Kinderbetreuungseinrichtungen, im Pflege- und Gesundheitswesen, in Schulen und Stadtteilinitiativen. Die Teilnehmer unterstützen die Fachkräfte in der Kinderbetreuung, bei der Hausaufgabenüberwachung, in Küche und Essensausgabe sowie in der Betreuung von Senioren. Ähnlich ausgerichtet sind die AGH in den Küchenbetrieben der Tagesstätten für Menschen in Wohnungsnot. Die cariteam-Betriebe bieten Langzeitarbeitslosen darüber hinaus auch Beschäftigungsmöglichkeiten im Bereich Verkauf und Lagerwesen in den Second-Hand-Läden „Kleider am Alleehaus“ und „Kleider im Werkhof“ in Unterliederbach an. Gespendete Kleidung, Schuhe, Haushaltswaren und Kinderartikel werden angenommen, sortiert und an bedürftige Menschen abgegeben – ähnlich wie im Ökumenischen Familien-Markt von Caritas und Diakonie, der auch Möbel anbietet, bei deren Aufbereitung die Teilnehmer helfen.

Eine Arbeitsgelegenheit besonderer Art ist die Mitarbeit im Energiesparservice. Dabei werden einkommensschwache Haushalte zu den Einsparpotenzialen im Energieverbrauch beraten – ein Beratungsangebot auf Augenhöhe, da die Teilnehmer als Langzeitarbeitslose selbst der Zielgruppe angehören. Sie werden auf ihren Beratungseinsatz intensiv vorbereitet und geschult.

Aktivcenter: In der Schreinerei stellen die Teilnehmer zunächst einfache Gegenstände aus Holz.
Aktivcenter: In der Schreinerei stellen die Teilnehmer zunächst einfache Gegenstände aus Holz wie z. B. Schlüsselanhänger, Handschmeichler und Kerzenständer her und fertigen dann Produkte mit einfachen Holzverbindungen, bevor sie sich an der Restauration von Alt- und Gebrauchtmöbeln versuchen.
Aktivcenter: In der Technikwerkstatt
Aktivcenter: In der Technikwerkstatt geht es um die Demontage von gebrauchten Elektro- und IT-Geräten, die Reparatur und Funktionsprüfung von gebrauchten Elektrokleingeräten, die Installation von Betriebssystemen und Anwendersoftware, den Bau von Aktivboxen und den Einbau von PC-Komponenten, Fehlersuche und Reparatur von PC-Systemen.
Das cariteam engagiert sich auch mit Angeboten in der Aus- und Weiterbildung, z. B. mit der Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen, die in Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner „smartwork Frankfurt“ und externen Betrieben realisiert wird. Ausbildungsberufe sind Kaufleute im Einzelhandel, Verkäufer, Tischler, Koch, Fachkraft im Gastgewerbe, Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik, Gebäudereiniger und Maler/ Lackierer. Die Auszubildenden werden sozialpädagogisch begleitet, erhalten Stütz- und Förderunterricht sowie eine intensive Prüfungsvorbereitung. 

Dem wachsenden Bedarf in den Pflegeberufen trägt cariteam mit zwei Angeboten der beruflichen Weiterbildung zur Pflegeassistenz und Betreuungskraft Rechnung. In beiden Angeboten werden Praxiseinsatz und Theorievermittlung verbunden. Der neunmonatige Kurs zur Pflegeassistenz (inklusive Betreuungskraft) bereitet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Arbeit mit alten Menschen vor. 

Die Eignungsfeststellung und Kenntnisvermittlung für eine Tätigkeit zur Zusätzlichen Betreuungskraft in Pflegeheimen hat zwei Phasen und dauert insgesamt nur drei Monate. Im Rahmen einer betrieblichen Erprobung in stationären Einrichtungen der Altenhilfe erfolgt zunächst eine Eignungsabklärung und Selbstreflexion für eine berufliche Tätigkeit in der Betreuung und Begleitung von demenziell erkrankten Menschen mit erheblichen Einschränkungen in der Alltagskompetenz. Die eigentliche Qualifikation (Kenntnisvermittlung) in einem Umfang von 160 Stunden dient der Vermittlung von grundlegenden Themen, die zur Ausübung einer Tätigkeit als Betreuungskraft in Pflegeheimen befähigen.

Asylsuchende und Flüchtlinge: Integration durch Arbeit

Als Träger des ESF-Projekts „Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern in Frankfurt am Main“ (IvAS_FFM) engagiert sich cariteam bei der Integration von Geflüchteten und unterstützt sie bei der Suche nach Schulen, Ausbildungsplätzen, Praktika und Arbeit. Die Angebote von (IvAF_FFM) richten sich an der Stadt Frankfurt zugewiesene Asylbewerber, Geduldete und Geflüchtete mit humanitärem Aufenthaltstitel und einem mindestens nachrangigen Zugang zum Arbeitsmarkt, unabhängig von der Bleibeperspektive, aber nicht aus sicheren Drittstaaten.

Im Vordergrund steht die Beratungsarbeit wie die Erstinformationen zu Sprachkursen und die Beantragung von Sprachkursberechtigungen, Informationen zur Anerkennung und Qualifizierungsberatung, sozialpädagogische Begleitung und assistierte Vermittlung in Praktika, Ausbildung und Beruf, Hilfe beim Zugang zu Qualifizierungsmaßnahmen, betriebsnahe Aktivierung, direkte Vermittlung in Arbeit, betriebliche Ausbildung und Schulausbildung sowie das individuelle Fallmanageement. Sozialpädagogen begleiten die Teilnehmer auf dem Weg in ein Praktikum, eine Ausbildung oder in den Beruf und organisieren zusätzlich kulturelle und soziale Angebote, um die Stadt und das Leben in Frankfurt kennenzulernen.

Im Rahmen von Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen (FIM) können geflüchtete Menschen bereits während des Verfahrens zur Anerkennung als Asylberechtigte einer Beschäftigung in den cariteam-Betrieben und in Einrichtungen der Caritas nachgehen. Begleitend zu einer Beschäftigung wird ein Unterricht in Deutsch und in Grundkompetenzen angeboten. Auch in diesem Rahmen werden die Teilnehmer über die Schritte bei der Anerkennung von ausländischen Abschlüssen informiert. Über die Teilnahme an den Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen entscheidet das Jugend- und Sozialamt der Stadt Frankfurt, Bereich Flüchtlinge und Auswärtige. 

Darüber hinaus informieren wir Geflüchtete über die wichtigsten Schritte bei der Anerkennung von ausländischen Abschlüssen. Wir helfen ihnen schon während des Verfahrens zur Anerkennung als Asylberechtigte/-r und unterstützen ihren guten Start in Deutschland. Die sozialpädagogischen Mitarbeiter von cariteam begleiten sie. 

Die Mitarbeiter in den Projekten von cariteam machen sich ausdrücklich das Motto zu eigen, nach dem im gesamten Caritasverband Frankfurt e. V. gearbeitet wird: „Menschen stärken. Wege finden.“ 

Kontakt / Info:

Caritasverband Frankfurt e. V.
Referat Arbeitshilfen – cariteam
Projektzentrum Griesheim
Eichenstraße 74 65933
Frankfurt am Main
Tel. 069 / 380 375 0
cariteam.pzg@caritas-frankfurt.de
www.caritas-frankfurt.de