Praktikanten bei Fraport: „Ein großes Glück – wir sind stolz“

Erfahrungen der Gemeinschaftsinitiative „Berufliche Integration von Flüchtlingen in Frankfurt Rhein-Main“ (BIFF)


Samuel spricht für alle: „Es ist großes Glück für uns, wir sind stolz, dass wir hier arbeiten.“ Der 25-Jährige stammt aus Eritrea und lebt bereits sechs Jahre in Deutschland. Seit Anfang Oktober absolviert er ein Praktikum bei der Fraport AG und gehört zu einer Gruppe von acht geflüchteten jungen Männern, die vorwiegend aus Afghanistan, aber auch aus Äthiopien, Eritrea und Syrien stammen. Die Fraport AG hat das Praktikum im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative „Berufliche Integration von Flüchtlingen in Frankfurt Rhein-Main“ (BIFF) geschaffen. Es soll die Teilnehmer an eine duale Berufsausbildung heranführen.

Die Gemeinschaftsinitiative „BIFF“, über die wir mehrfach in diesem Magazin berichtet haben, entstand bereits im Sommer 2015 mit dem großen Zustrom von Menschen mit Flucht-, Asyl- und Migrationsbiografie nach Deutschland. Sie wurde mit dem Ziel gestartet, Geflüchtete und junge Zuwanderer ab 16 Jahren mit Bleibeperspektive in Arbeit und Ausbildung zu integrieren. Getragen wird das Programm von acht großen Betrieben und Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen in der Region Frankfurt Rhein-Main in Kooperation mit der Stadt Frankfurt, der IHK Frankfurt und der Agentur für Arbeit Frankfurt. Die organisatorische Projektsteuerung erfolgt durch die Gesellschaft für Jugendbeschäftigung e. V. (gjb), die als zentrale Anlaufstelle für Interessierte, Schulen, Institutionen und sonstige Akteure fungiert.

Die Agentur für Arbeit hat zunächst in einem Profiling- und Auswahlverfahren die Kompetenzen und beruflichen Interessen der geflüchteten jungen Menschen ermittelt. Diese konnten dann in den beteiligten Unternehmen im Rahmen von Betriebsbesuchen und Berufe-Camps bzw. in den Werkstätten Einblick in die Vielfalt der Arbeitswelt gewinnen. Zu den angebotenen Berufsfeldern gehörten Elektro, Metall und Mechatronik, Chemie, Lebensmitteltechnik, Logistik, Garten- und Landschaftsbau, Gebäudereinigung, Schutz und Sicherheit, Küche sowie eine Reihe von kaufmännischen Berufen. Dieses Procedere haben auch die acht Fraport-Praktikanten durchlaufen. Fraport-Ausbildungsleiter Wolfgang Haas berichtet, dass er mit der Qualität der Auswahlverfahren durch die Arbeitsagentur einschließlich der Tests durch den Berufspsychologischen Service sehr zufrieden ist.

Mit dem Hermann-Schmidt-Preis ausgezeichnet

Als ein herausragendes Beispiel für das „zivilgesellschaftliche und bürgerschaftliche Engagement“ wurde die Frankfurter Gemeinschaftsinitiative „BIFF“ mit dem Sonderpreis 2016 des renommierten Hermann-SchmidtPreises ausgezeichnet. Der dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) nahestehende Verein „Innovative Berufsbildung e. V.“ vergibt diese Auszeichnung jährlich seit 1977. Der Wettbewerb des Jahres 2016 stand unter dem Thema „Integration von Geflüchteten durch berufliche Bildung“. In der Begründung zur Preisverleihung heißt es: „Die Jury würdigt insbesondere die beeindruckende Vielzahl, die branchenübergreifende Zusammensetzung und das Engagement der Unternehmenspartnerschaft mit dem Ziel, praktische Hilfe für Geflüchtete zur Integration zu leisten und diesen ein Sprungbrett in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen.“

Fraport(33)

Eine Gemeinschaftsinitiative

„BIFF“ ist eine Gemeinschaftsinitiative von Frankfurter Unternehmen unterschiedlicher Branchen. In die Kooperation einbezogen sind die Stadt Frankfurt, die Industrie- und Handelskammer und die Agentur für Arbeit. Jede dieser Institutionen nimmt eine aktive Rolle wahr. Die Kooperation hat verschiedene Ebenen:

Die Fraport AG beispielsweise arbeitet bei diesem Projekt mit ihrem langjährigen Ausbildungspartner, der Pittler Pro Region Berufsausbildung GmbH in Langen zusammen. Hier werden die acht Praktikanten an dreieinhalb Tagen in der Woche in erster Linie berufspraktisch mit dem Schwerpunkt Elektrotechnik und Mechanik betreut und unterwiesen.

Die restlichen eineinhalb Tage verbringen sie beim Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft – hier werden sie im Rahmen des Landesprogramms „Wirtschaft integriert“ betreut. Dabei werden ihnen zusätzliche fachliche, sprachliche und soziokulturelle Kompetenzen vermittelt.

Die fachliche Nähe der Fraport AG zu den Stadtwerken und den Entsorgungsbetrieben im Bereich der Metall- und Elektroberufe führt auch zu einem Austausch zwischen diesen Unternehmen. Ausbildungsleiter Wolfgang Haas kann sich vorstellen, dass die Kooperation auch dazu führen kann, dass Geflüchtete ihre Ausbildung bei den städtischen Betrieben absolvieren, wenn sie z. B. aufgrund fehlender Nachweise den Sicherheitscheck bei Fraport nicht bestehen sollten. Gegenwärtig stellt sich diese Problematik nicht, weil die Unterweisung außerhalb der sicherheitsrelevanten Zonen des Flughafens bei Pittler Berufsausbildung in Langen erfolgt

Fraport(16)
Fraport(22)
Acht junge Geflüchtete tragen stolz das Fraport-Logo. Unter ihnen (v. l. n. r.) Christian Hauch, Pittler-Geschäftsführer Thomas Keil, Sebastian Richter und FraportAusbildungsleiter Wolfgang Haas.

Erkenntnisse und Erfahrungen

Die Fraport-Praktikanten zählen nicht zu den neu angekommenen Flüchtlingen des Sommers 2016, sondern sind schon länger in Deutschland, eineinhalb Jahre ist die kürzeste Dauer, mehr als sechs Jahre sind das Maximum. Es ist bezeichnend, dass sie im Gespräch ihre Zeit in Deutschland nicht in Jahren bemessen, sondern genau die Anzahl der Monate, wenn nicht der Wochen nennen – und immer ihren „Bleibewillen“ unterstreichen. Alle haben einen Aufenthaltstitel. Keiner versäumt zu betonen, wie gut er von den deutschen Mitbürgern aufgenommen wurde und wird.

Woran sich ihr Integrationswille festmachen lässt? Vielleicht daran, dass sie sich am deutschen Vereinsleben beteiligen, Fußball spielen, Leichtathletik trainieren oder zum Wrestling gehen und dabei nicht nur, aber eben auch deutsche Freunde und Bekannte haben

Wer sich mit den jungen Männern unterhält, braucht keinen Dolmetscher und keinen Sprachmittler. Sie haben alle mindestens Deutschkenntnisse auf B1-Level. Die Umgangssprache ist offenkundig nicht das Problem. Dennoch erkennen Christian Hauch, der Leiter dieses Programms bei Fraport, und Sebastian Richter, der verantwortliche Ausbilder bei Pittler, in den deutschen Sprachkenntnissen den „Knackpunkt“. Das Hauptproblem ist die Berufsund Fachsprache. Die Begrifflichkeiten sicher zu beherrschen, ist deshalb vorrangig, darauf sind viele Aktivitäten zur Förderung der berufsbezogenen Sprache gerichtet. „Aber wenn sie den Sachverhalt verstanden haben, sind Ausführung und Umsetzung mustergültig“, berichtet Sebastian Richter aus seiner Erfahrung.

Fraport(7)

Das Verhalten, die typisch deutschen Eigenschaften Gründlichkeit, Sauberkeit, Ordnung und Pünktlichkeit? „Alles im grünen Bereich, bestens“, meint Christian Hauch und erwähnt zusätzlich die ausgeprägte Höflichkeit. Auf eine Prognose möchte er sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht festlegen, schätzt die Chancen der Teilnehmer für eine Einstiegsqualifizierung, eine Ausbildung oder eine berufliche Tätigkeit aber recht positiv ein.

Für Ausbildungsleiter Wolfgang Haas hat das aktuelle Projekt Pilotcharakter, in dem Erfahrungen und Erkenntnisse in einem überschaubaren Rahmen gesammelt werden. Mit einer zahlenmäßig sehr viel größeren Herausforderung rechnet er erst in ein bis zwei Jahren, wenn sich die Zuwanderungswelle des Jahres 2015 auswirkt.

Ob in den Reihen der geflüchteten Menschen die in Deutschland fehlenden Fachkräfte gefunden werden, beantwortet der Fraport-Ausbildungsleiter eher indirekt, indem er auf die Erfahrungen des Unternehmens mit dem Projekt „Startklar“ hinweist. Dieses Berufsvorbereitungsprogramm besteht seit 2012 und dient der Förderung der Ausbildungsreife über ein achtmonatiges Training. Es richtet sich an junge Menschen, die noch nicht alle Voraussetzungen für einen direkten Einstieg in eine Berufsausbildung erfüllen. Dabei geht es nicht nur eine fachliche Einführung, sondern auch Förderunterricht in Deutsch und Mathematik und um eine sozialpädagogische Betreuung zur Orientierung in der Arbeitswelt. Mit dem Projekt „Startklar“ kann die Fraport AG technisch-gewerbliche Ausbildungsplätze besetzen, die anders vielleicht unbesetzt blieben, und Auszubildenden eine Chance geben, die auf regulärem Weg vielleicht nicht bei diesem Unternehmen gelandet wären. Auch hier sind dieselben Kooperationspartner wie bei „BIFF“ eingebunden – die Agentur für Arbeit Frankfurt und Pittler Pro Region.

Die Praktikanten selbst? Jeder ist allein nach Deutschland gekommen. Keiner hat es bereut. Alle wollen sie bleiben. Übereinstimmend sehen sie ihr Ziel darin, in Sicherheit hier zu leben, die Ausbildung zu schaffen und gute Arbeit zu leisten. Sie sind dankbar für die Chance und stolz auf das Unternehmen, das ihnen diese Chance gibt.