WISAG
John Lotz (re.), verantwortlich für Führungskräfterecruiting und -Entwicklung bei der WISAG Dienstleistungsholding GmbH, betreut in der WISAG-Gruppe das Projekt „Berufliche Integration von Flüchtlingen in FrankfurtRhein-Main“ (BIFF). Daran beteiligen sich acht große Betriebe in Kooperation mit der Stadt Frankfurt, der IHK und der Agentur für Arbeit. Die Organisation liegt bei der Gesellschaft für Jugendbeschäftigung e. V. (gjb).

Von der Elfenbeinküste geflüchtet – bei der WISAG in Ausbildung

Erfahrungen in der Gemeinschaftsinitiative „Berufliche Integration von Flüchtlingen  in Frankfurt-Rhein-Main“ (BIFF)

Der Tag X ist allgegenwärtig, und dennoch versucht Maga Traore gar nicht daran zu denken, was dann sein wird, wenn der Bescheid des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) eines Tages eintrifft. Ablehnung oder Anerkennung? Der 21 Jahre junge Mann hat gerade einmal die obligatorische BAMF-Anhörung im Asylverfahren hinter sich. Seit seiner Einreise nach Deutschland im Jahr 2013 hat er darauf gewartet – mehr als drei Jahre.

„Gewartet“ ist nicht gleichzusetzen mit Untätigsein. Maga, der in seinem Herkunftsland nie eine Schule besucht hatte, hat in Frankfurt den Hauptschulabschluss geschafft, kann Deutschkenntnisse auf B2-Level nachweisen, hat sein Wohnproblem gelöst und bereits deutsche Freunde gewonnen – vor allem aber hat der Mann von der westafrikanischen Elfenbeinküste einen Ausbildungsplatz gefunden. Bei der WISAG absolviert er seine dreijährige Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit. „Daran denke ich die ganze Zeit, das ist für mich das Wichtigste“, berichtet Maga Traore in einwandfreiem, flüssigem Deutsch. Statt der Militäruniform seines von Diktatur und Bürgerkrieg erschütterten Heimatstaates trägt er jetzt sichtlich stolz die elegante Dienstkleidung seines Ausbildungsbetriebes. Die WISAG setzt ihn vorwiegend im Jobcenter Rüsselsheim ein, er hatte aber auch schon in Frankfurt Dienst bei Veranstaltungen, Konferenzen und Kongressen. Die Berufsschule besucht er selbstverständlich auch und verbessert zusätzlich und freiwillig seine Sprachkenntnisse bei einem Kurs, der einmal wöchentlich stattfindet.

Mit all dem sind die Weichen gut und richtig gestellt. Eine erfolgreiche Integration in die europäische Arbeitswelt und die deutsche Gesellschaft nimmt ihren Lauf – auch nach Ansicht von John Lotz, Verantwortlich für Führungskräfterecruiting und -Entwicklung bei der WISAG Dienstleistungsholding GmbH. Die Beteiligung der WISAG an der Gemeinschaftsinitiative „Berufliche Integration von Flüchtlingen in Frankfurt-Rhein-Main“ (BIFF) hat er zu seiner Sache gemacht und betreut das Projekt im Unternehmen. Über „BIFF“ haben wir in vorherigen Ausgaben dieses Magazins bereits berichtet. Das Projekt entstand im Sommer 2015 mit dem großen Zustrom von Geflüchteten nach Deutschland. Sie wurde mit dem Ziel gestartet, Geflüchtete und junge Zuwanderer ab 16 Jahren mit Bleibeperspektive in Arbeit und Ausbildung zu integrieren. An dem Projekt beteiligen sich acht große Betriebe aus unterschiedlichen Branchen in der Region Frankfurt-Rhein-Main in Kooperation mit der Stadt Frankfurt, der IHK und der Agentur für Arbeit. Die Organisation liegt bei der Gesellschaft für Jugendbeschäftigung e. V. (gjb). Sie ist die zentrale Anlaufstelle für Interessierte, Schulen, Institutionen und sonstige Akteure.

Maga Traore hat die verschiedenen Projektstufen durchlaufen und zunächst an einem Profiling-, Auswahl- und Eignungsverfahren der Agentur für Arbeit teilgenommen, bei dem die Kompetenzen und beruflichen Interessen der geflüchteten jungen Menschen ermittelt wurden. Sie konnten dann bei Betriebsbesuchen in den beteiligten Unternehmen erste Einblicke gewinnen und diese anschließend in Berufe-Camps vertiefen. Zu den angebotenen Berufsfeldern gehörten Elektro, Metall und Mechatronik, Chemie, Lebensmitteltechnik, Logistik, Garten- und Landschaftsbau, Gebäudereinigung, Schutz und Sicherheit, Küche sowie eine Reihe von kaufmännischen Berufen – insgesamt eine breite Palette, die Orientierung ermöglichen sollte. Die nächste Stufe der Heranführung und Erprobung ist dann ein betriebliches Praktikum, das auch Maga Traore absolviert hat. Typischer Weise schließt sich dann die „Einstiegsqualifizierung“ (EQ) an. Bei dem jungen Afrikaner waren sich Betrieb und Bewerber einig, dass die duale Ausbildung auch ohne vorgeschaltete EQ beginnen sollte. In seinem Fall kommt die Förderung der berufssprachlichen Deutschkenntnisse hinzu, bei anderen Azubis führt der Stützunterricht im Rahmen der „ausbildungsbegleitenden Hilfen“ (abH) zum Ziel.

„BIFF“ ist jetzt in die zweite Runde gegangen, die Zahl der Interessenten liegt über den 350 des Vorjahres. Die Auswahlbegutachtung bei der Agentur für Arbeit absolvieren wiederum etwa 150 Bewerber/-innen. 2016 hatten sich 84 um einen Teilnahmeplatz beworben, 38 Optionen kamen dann tatsächlich zustande.

Die Erfahrungen der Gemeinschaftsinitiative zeigen, dass sich das Engagement der Betriebe lohnt, junge Geflüchtete an eine Ausbildung heranzuführen. Sie machen auch deutlich, dass die berufliche Integration ein Marathon sein kann und selbst bei guten Perspektiven zumindest einen langen Atem, Geduld und Zielstrebigkeit braucht. 

Auch dafür ist Maga Traore ein Beispiel: Bevor er als „unbegleiteter Jugendlicher“ 2013 nach Deutschland kam, war er schon 2011 in Italien gestrandet – nach vier Tagen dramatischer Überfahrt auf dem Mittelmeer und einer Nacht im Boot ohne Treibstoff. Er erzählt ruhig, dass ihn die Überfahrt beinahe das Leben gekostet hätte. Geblieben ist eine Beinverletzung, die ihn heute noch vom Fußballspiel abhält. Die bedrohlichen Erfahrungen in seinem Herkunftsland, seine Flucht und der Verlust der ganzen Familie lassen es nicht denkbar erscheinen, dass er am Tag X im Fall der Ablehnung zurückkehren könnte oder wollte. Seine Hoffnungen sind auf eine Karriere bei der WISAG gerichtet – ein Unternehmen, das traditionell auch Quereinsteigern eine Chance bietet und das seit langem Menschen anderer Herkunft, Kultur und Sprache beschäftigt, aus einhundert Nationen, schätzt John Lotz. 
 
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