Für 2018 personell, fiskalisch und inhaltlich gut aufgestellt

Das Jobcenter Frankfurt am Main stellt sich den Herausforderungen 

Das Jobcenter Frankfurt am Main wurde 2005 im Zuge der Reformen für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt („Hartz-Reformen“) gegründet und wird seither als gemeinsame Einrichtung der Stadt Frankfurt und der Bundesagentur für Arbeit geführt. Die beiden Träger genehmigen jeweils das „Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm“ (AMIP), das die Geschäftsführung jährlich vorlegt und in dem die geschäftspolitischen Ziele festgelegt werden. Das jetzt verabschiedete AMIP 2018 ist zugleich eine Standortbestimmung und zeigt die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, die erzielten Erfolge und die Handlungsnotwendigkeiten auf.

Zahlen und Fakten 

12.348 Kundinnen und Kunden des Jobcenters Frankfurt wurden im Jahr 2017 erfolgreich in eine sozialversicherungsp ichtige Beschäftigung integriert. Das bedeutet eine Steigerung um 512 Integrationen gegenüber dem Vorjahr und kann wiederum als beachtlicher Erfolg gewertet werden. Gleichzeitig fällt eine Zahl besonders positiv auf: Die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat sich gegenüber dem Vorjahr um 1.224 bzw. 15,3 % auf 6.766 verringert. Die Arbeitslosenquote im SGB II – das ist der Zuständigkeitsbereich des Jobcenters – wird für 2017 mit 3,8 % (- 0,8) errechnet.

Dem Jobcenter Frankfurt stehen 2018 Finanzmittel in Höhe von 106,2 Mio. Euro (Vj. 104,9) zur Verfügung. Es betreut rund 50.700 erwerbsfähige Personen, die als „Kundinnen und Kunden“ betrachtet werden, in 37.826 Be- darfsgemeinschaften. Zusammen mit den 22.199 nichterwerbsfähigen Sozialgeldempfängern ist das Jobcenter für insgesamt 72.906 Personen (- 611 bzw. 0,8 %) zuständig. Bezogen auf 736.000 Einwohner fällt also beinahe jeder zehnte in den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters. Allein diese Zahl macht den Stellenwert des Jobcenters im Sozialgefüge der Stadt Frankfurt und auf dem Arbeitsmarkt der Rhein-Main-Region deutlich.

Jobcenter-Geschäftsführerin Claudia Czernohorsky-Grüneberg verweist im AMIP 2018 auf die Herausforderung: „Das Jobcenter Frankfurt stellt durch Leistungen der Grundsicherung den Lebensunterhalt der Kundinnen und Kunden sicher. Im Sinne eines professionellen und dienstleistungsorientierten Handelns wird durch die Beratung, Quali zierung und Vermittlung von Kundinnen und Kunden in den Arbeitsmarkt ein erheblicher Beitrag zur Sicherung des sozialen Friedens in der Stadt geleistet.“ 

Claudia Czernohorsky-Grüneberg
Claudia Czernohorsky-Grüneberg ist seit der Gründung im Jahr 2005 in leitender Funktion im Jobcenter Frankfurt am Main tätig, seit 2009 wirkt sie als Geschäftsführerin der gemeinsamen Einrichtung der Stadt Frankfurt und der Bundesagentur für Arbeit.
Kooperationspartner

Das bedeutet: „Um die unterschiedlichen Kundengruppen unterschiedlichen Alters, wie z. B. Langzeitarbeitslose, arbeitslose Frauen und Berufsrückkeh-rerinnen, Erziehende, Ältere, Menschen mit Behinderung oder Geflüchtete sowie Migrantinnen und Migranten sehr gut zu beraten, ihnen Integrationswege aufzuzeigen und umzusetzen, ist die fachliche Kompetenz der Mitarbeitenden, ihr Engagement und ein ‚Blick über den Tellerrand‘ ebenso Voraussetzung wie die vertrauensvolle Kooperation mit den Akteuren auf dem Arbeitsmarkt. Dazu zählen die Arbeitgeber, Bildungsträger und Kammern ebenso wie die Agentur des Frankfurter Arbeitsmarktprogramms (FRAP), die Jugendberufshilfe des Jugend- und Sozialamtes, die Stabsstelle für Flüchtlinge der Stadt Frankfurt und die Berufsberatung und Ausbildungs-vermittlung sowie der Arbeitgeber-Service (AG-S) der Agentur für Arbeit.“ 
Genau in diesem Sinn stellen die beiden Träger fest: „Die Agentur für Arbeit Frankfurt setzt auch 2018 die gute operative Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Frankfurt und der Stadt Frankfurt fort. Die synergetische Nutzung der Potenziale und Ressourcen der jeweiligen Institutionen kommt den Frankfurter Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmern und Unternehmen zu Gute.“ Die Stadt Frankfurt engagiert sich mit einem eigenen Arbeitsmarktprogramm (FRAP) insbesondere auch bei den Geflüchteten: „Das FRAP wird auch 2018 in enger Abstimmung mit dem Jobcenter Angebote zur Allgemein- und Sprachbildung und Beratungs- und Orientierungsnahmen vorhalten. Sie sollen die vom JC Frankfurt für die Zielgruppe eingeleiteten Qualifizierungs-maßnahmen unterstützen. Im Fokus der Integrationsbemühungen stehen darüber hinaus insbesondere alleinerziehende Frauen, Jugendliche und junge Erwachsene.“

Organisation

Im Jobcenter arbeiten rund 900 Beschäftigte an sieben dezentralen Standorten. Das bedeutet kurze Wege für die Bürgerinnen und Bürger bei der Klärung ihrer Anliegen. Die dezentralen Jobcenter bestehen aus einem Eingangsbereich, der Leistungssachbearbeitung für Anträge und Fragen zum Arbeitslosengeld II und dem Vermittlungsbereich (Markt & Integration). Der Bereich Markt & Integration für über 25-Jährige wurde 2017 neu organisiert: Mit dem Drei-Türen-Modell aus „Arbeitsvermittlung“, „Integration und Qualifizierung“ und „beschäftigungsorientiertem Fallmanagement“ erfolgen Beratung und Vermittlung zielgerichtet, ef zient und auf die Bedürfnisse des Einzelnen in einer individuellen Integrationsstrategie zugeschnitten. 

Das Jugendjobcenter betreut Leistungsberechtigte unter 25 Jahren zentral am Hainer Weg in einer rechtskreisübergreifenden Kooperation mit der Berufsberatung und Ausbildungsvermittlung der Agentur für Arbeit sowie der Jugendberufshilfe der Stadt Frankfurt. Rehabilitanden und schwerbehinderte Menschen werden zentral im Jobcenter Ost, Wohnsitzlose und Drogenabhängige zentral im Jobcenter Mitte betreut. Für Erziehende mit Schulkindern im Alter von 6 bis 15 Jahren gibt es das Projekt ABC (Aktivierung, Beratung, Chancen), für Erwachsene zwischen 25 und 45 Jahren ohne Berufsausbildung das Team JobJump. Der Arbeitgeber-Service (AG-S) ist die Schnittstelle zu Betrieben und Unternehmen (siehe Seite 3), eine besondere Dienstleistung ist die gewerbliche Tagesjobvermittlung.

Geschäftspolitische Handlungsfelder und Strategien 

Für das Jobcenter Frankfurt am Main gelten die bundesweiten Ziele des SGB II:

 

  • Verringerung der Hilfebedürftigkeit 
  • Verbesserung der Integration in Erwerbstätigkeit und 
  • Vermeidung von langfristigem Leistungsbezug. 

 

Diese Ziele sind Ausgangspunkt für die geschäftspolitischen Handlungsfelder und die sich daraus ergebenden Aktivitäten für eine erfolgreiche Integrationsarbeit. Folgende Schwerpunkte werden festgelegt: 

  • Den Übergang von der Schule in den Beruf sichern. Um einen möglichst nahtlosen Übergang von Schule in Ausbildung oder Arbeit zu gewährleisten, erfolgt bereits vor Beendigung der Regelschule bzw. Berufs- und Berufsfachschule zu den Schülerinnen und Schülern eine Kontaktaufnahme zur zielgerichteten Beratung und Berufsorientierung. Soweit ein nahtloser Übergang nicht möglich ist, z. B. wegen fehlender „Ausbildungsreife“, werden Anschlussperspektiven aufgezeigt. 
  • Den Arbeits- und Fachkräftebedarf sichern. Wenn eine direkte Ver- mittlung in den Arbeitsmarkt nicht möglich ist, bietet das Jobcenter eine bedarfsgerechte Quali zierung an, die zu einer nachhaltigen Integration und Beschäftigung führt. 

  • Kunden ohne Abschluss zu Fachkräften ausbilden und in den Markt integrieren. Fast 70 % der vom Jobcenter betreuten Personen haben keinen Berufsabschluss. Eine Qualifizierungsstrategie, die auf Berufsabschlüsse oder Teilqualifizierungen zielt, ist daher von großer Bedeutung. Für 2018 plant das Jobcenter die Ausgabe von 785 Bildungsgutscheinen (BGS) für Quali zierungen, darunter 205 BGS für abschlussorientierte Maßnahmen.
  • Langzeitarbeitslose und Kunden mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt qualifizieren und integrieren. Langzeitarbeitslose und Langzeitbeziehende ohne Berufsabschluss berät das Jobcenter intensiv mit dem Ziel, ihnen eine Ausbildung oder Umschulung näher zu bringen. Für Kunden, die vor der Vermittlung an den Arbeitsmarkt herangeführt werden müssen, bestehen Aktivcenter mit einem breiten berufsbildbezogenen Spektrum aktivierender, qualifizierender und vermittelnder Instrumente. Der Heranführung an den Arbeitsmarkt dienen ebenfalls die Arbeitsgelegenheiten (AGH) mit Mehraufwandsentschädigung. 
  • Rehabilitanden und schwerbehinderte Menschen. Ihnen stehen spezialisierte Integrationsfachkräfte im Team Reha / SB zur Verfügung. 
  • Gerüchtete Menschen in Ausbildung und Arbeit integrieren. Das Jobcenter organisiert die Betreuung von Asylberechtigten im SGB II in einem auf den Integrationsfortschritt abgestimmten strukturierten Prozess- und Förderverlauf und bereitet die Kundinnen und Kunden auf die Ausbildung und den Arbeitsmarkt vor. Der Personenkreis wird frühzeitig beraten, einzelne Fortschritte werden dokumentiert, ausgewertet und Folgemaßnahmen eingeleitet. Zu Beginn wird die Sprachkompetenz festgestellt und die weitere sprachliche und berufiche Förderung gesteuert. Bei den ge üchteten Frauen steht der Erwerb der deutschen Sprache im Fokus. 


Perspektiven des Arbeitsmarktes 

Für 2018 rechnen die Agentur für Arbeit und das Jobcenter Frankfurt mit einem stabilen Arbeitsmarkt: „Frankfurt wächst und auch die Anzahl der sozialversicherungspfichtig Beschäftigten wird weiterhin steigen“, so das AMIP 2018. „Die Prognosen und Erwartungen sind anhaltend positiv. Von diesen positiven Entwicklungen profitieren die auf Grundsicherung angewiesenen Menschen allerdings nur teilweise. Es bleibt für das Jobcenter eine große Herausforderung, nanzielle Leistungen für diesen Personenkreis rechtssicher und ordnungsgemäß zu erbringen und Arbeitslose sowie Arbeitsuchende für eine Ausbildung oder Arbeitsaufnahme zu qualifizieren und in den Arbeitsmarkt zu integrieren.“

Geschäftsführerin Claudia Czernohorsky-Grüneberg zieht das Fazit: „Das Jobcenter Frankfurt sieht sich für die Herausforderungen 2018 personell, skalisch und inhaltlich gut aufgestellt.“