Geschäftspolitische Zielsetzung 2017

Für die Herausforderungen gut aufgestellt – Handlungsgrundsatz „Nah am Markt“ –  Das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm

Claudia Czernohorsky-Grüneberg
Claudia Czernohorsky-Grüneberg ist seit der Gründung im Jahr 2005 in leitender Funktion im Jobcenter Frankfurt am Main tätig, seit 2009 wirkt sie als Geschäftsführerin der gemeinsamen Einrichtung der Stadt Frankfurt und der Bundesagentur für Arbeit.


„Im Jahr 2016 hat das Jobcenter Frankfurt 11.836 Kundinnen und Kunden in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung integriert.“ In seinem Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2017 (AMIP) beziffert das Jobcenter Frankfurt am Main mit dieser sachlich-nüchternen Feststellung einen beachtlichen Erfolg, der die Position dieser im Jahr 2005 gegründeten gemeinsamen Einrichtung der Bundesagentur für Arbeit und der Stadt Frankfurt als „Big Player“ auf dem Arbeitsmarkt der Rhein-MainRegion deutlich macht. Dafür stehen auch andere Kennzahlen, wie z. B. das Finanzvolumen mit einem Eingliederungs- und Verwaltungsbudget in Höhe von 104,9 Mio. Euro. Flankierend stehen zusätzliche Mittel aus dem Frankfurter Arbeitsmarktprogramm (FRAP) für Eingliederungsleistungen in Höhe von mehreren Millionen Euro zur Verfügung.


„Das Jobcenter ist für 76.912 Personen in 38.595 Bedarfsgemeinschaften zuständig, das sind 666 bzw. 196 weniger als im Vorjahr. Das heißt, dass mehr als jeder zehnte Einwohner in Frankfurt Leistungen des Jobcenters bezieht. Zur „Kundenstruktur“ führt das AMIP aus: „Ca. 25 Prozent der 51.316 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten haben ein Einkommen aus Erwerbstätigkeit, jeder zehnte darunter erhält aufstockende Leistungen zu einer selbstständigen Tätigkeit. Die hohen Lebenshaltungskosten in der Stadt führen u. a. dazu, dass erwerbstätige Personen immer weniger ohne Transferleistungen der Grundsicherung leben können. Die Zahl der Kundinnen und Kunden … wird durch diesen Trend anwachsen, auch ohne den nicht genau zu prognostizierenden Effekt der Zuwanderung von Asylberechtigten.“ Einen hohen Anteil von 44,8 Prozent haben die Langzeitarbeitslo
sen, also Menschen, die seit länger als einem Jahr arbeitslos sind. „Diese Personengruppe bleibt weiterhin im Fokus der strategischen Aktivitäten des Jobcenters Frankfurt.“ Schließlich wird auch darauf hingewiesen, dass etwa die Hälfte der arbeitslosen Kundinnen und Kunden im Jobcenter Frankfurt eine ausländische Staatsangehörigkeit hat. Fast unverändert ist der Anteil der Frauen unter den Arbeitslosen mit 45,9 Prozent und die Zahl der Alleinerziehenden (2.053, davon über 90 Prozent Frauen). Leicht gesunken ist die Zahl der Schwerbehinderten, wie dem AMIP zu entnehmen ist. 
 
Das Jobcenter Frankfurt am Main ist an sechs dezentralen Standorten in der Stadt vertreten und bietet den Bürgerinnen und Bürgern kurze Wege für die Klärung ihrer Anliegen. Jugendliche unter 25 Jahren, Personen ohne festen Wohnsitz, Schwerbehinderte und Unternehmen werden in zentralen Einheiten betreut. Das Jobcenter stellt durch Leistungen der Grundsicherung den Lebensunterhalt der Kundinnen und Kunden sicher. Im Sinn eines professionellen und dienstleistungsorientierten Handelns wird durch die Beratung, Qualifizierung und Vermittlung von Kundinnen und Kunden in den Arbeitsmarkt ein erheblicher Beitrag zur Sicherung des sozialen Friedens in der Stadt geleistet.


Die Stadt Frankfurt und Arbeitsagentur, die beiden Träger, genehmigen jährlich das AMIP des Jobcenters, in dem die geschäftspolitischen Ziele, die Planungsprämissen und die zur Zielerreichung erforderlichen Maßnahmen dargelegt werden. Claudia Czernohorsky-Grüneberg, die Geschäftsführerin des Jobcenters Frankfurt am Main, hat der Leistungsbilanz des AMIP 2017 ein Wort des Sozialethikers Pater Rupert Lay vorangestellt: „Erfolgreich ist auf Dauer nur, wer weiß, warum er erfolgreich ist.“ Gleichzeitig betont sie aber auch, dass der Handlungsgrundsatz „Nah am Markt“ für das Jobcenter unverändert auch für das Jahr 2017 gelten soll. 

„Nah am Markt“ bedeutet, dass sich das Jobcenter den Entwicklungen von Wirtschaft und Gesellschaft und den speziellen Anforderungen der RheinMain-Region nicht entziehen kann, sondern sich ihnen stellen muss: „Wie bereits im vergangenen Geschäftsjahr sind die Prognosen und Erwartungen für das Jahr 2017 gut. Die Frankfurter Unternehmen und Betriebe erwarten einen weiteren Zuwachs an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung und suchen nach neuem Personal. Für uns als Jobcenter Frankfurt die Gelegenheit, Bewerber vorzuschlagen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht in die engere Wahl gekommen wären.“ Um dieser Anforderung umfassend gerecht zu werden, hat sich das Jobcenter – wie in der Januarausgabe dieses Magazins ausführlich berichtet – in einem Organisationsentwicklungsprozess in der Beratungs- und Vermittlungsarbeit neu aufgestellt. Der Arbeitsbereich Markt und Integration berät und vermittelt Kundinnen und Kunden nun bedarfsgerechter in spezialisierten Teams. Eine weitere Arbeitsveränderung und -erleichterung wird die Einführung der elektronischen Aktenführung im Lauf des Jahres 2017 sein.

Für das Jobcenter Frankfurt am Main gelten die bundesweiten Ziele:

• Verringerung der Hilfebedürftigkeit
• Verbesserung der Integration in Erwerbstätigkeit und
• Vermeidung von langfristigem Leistungsbezug.


Diese Ziele sind Ausgangspunkt für die geschäftspolitischen Handlungsfelder und die sich daraus ergebenden Aktivitäten für eine erfolgreiche Integrationsarbeit. Den regionalen Bedingungen des Arbeitsmarktes Rhein-Main entsprechend, wurden „Fokusbranchen“ für die erfolgreiche Vermittlung in Arbeit und Ausbildung definiert. Das sind die Bereiche Verkauf, Gastronomie, wirtschaftsnahe Dienstleistungen wie z. B. Sicherheit, Reinigung, Facility Management sowie Büroberufe, soziale Berufe und der öffentliche Sektor.
 
Bindeglied zwischen den arbeitsuchenden Kundinnen und Kunden des Jobcenters und den Betrieben ist der Arbeitgeber-Service (AG-S) des Jobcenters (mehr dazu auf Seite 3 dieser Ausgabe). Der AG-S arbeitet bewerberorientiert und führt Jobbören und andere Vermittlungsaktivitäten durch. Wegen der z. T. schwierigen Erwerbsbiografien sind zentrale Aufgaben des AG-S die Herstellung eines direkten Kontaktes zwischen Arbeitgeber und Bewerber, die Unterstützung im Bewerbungsverfahren sowie das Assistieren und Betreuen auf dem Weg in die Erwerbstätigkeit. Ein stärkeres Gewicht nimmt künftig die proaktive bewerberorientierte Stellenakquise ein, bei der ausgehend vom Bewerberpotenzial passgenaue Stellen im Arbeitsmarkt erschlossen und besetzt werden sollen. Auch bei geringerem Personalbedarf bietet der AG-S Lösungen an – von der Betriebsbesichtigung bis zur Begleitung der Bewerber zum Arbeitgeber vor Ort. Der AG-S des Jobcenters kooperiert fortlaufend mit den arbeitgeberorientierten Vermittlungsfachkräften der Agentur für Arbeit.
 
Um „Kundengruppen mit erschwertem Arbeitsmarktzugang“ kümmert sich das Jobcenter besonders, z. B. im Projekt Aktivierung, Beratung und Chancen (ABC) für Erziehende mit Kindern zwischen 6 und 15 Jahren, im ESF-LZA Projekt um Langzeitarbeitslose (mehr dazu auf Seite 8 ff. dieser Ausgabe) und um Kunden ohne Abschluss, für die im Eingliederungstitel Mittel bereit gestellt werden, um sie zu Fachkräften auszubilden und in den Markt zu integrieren. Eine Intensivbetreuung erfahren Personen zwischen 25 und 35 Jahren ohne Berufsabschluss auch im Projekt JobJump. Und auch dafür ist das Jobcenter Frankfurt am Main gut gerüstet: Die Heranführung geflüchteter Menschen an Arbeit und Ausbildung. Das AMIP 2017 formuliert: „Das Jobcenter Frankfurt geht davon aus, dass es 2017 einen Zuwachs an erwerbsfähigen Leistungsberechtigten aufgrund der positiven Entscheidungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bezüglich der Asylanträge geben wird. Die Erfahrung zeigt, dass neben dem Spracherwerb eine schnelle Integration in Arbeit hier besonders wichtig ist.“