Im Spannungsfeld zwischen Fachkräftemangel und Kurzarbeit

Stephanie Krömer, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Frankfurt, über die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt Rhein-Main

Stephanie Krömer (38), Chefin der Agentur für Arbeit Frankfurt
Stephanie Krömer (38), Chefin der Agentur für Arbeit Frankfurt

Frau Krömer, bei Ihrem Amtsantritt als Chefin der Agentur für Arbeit Frankfurt im September des vergangenen Jahres hatten Sie wohl an ganz andere Herausforderungen als die Bewältigung der Coronakrise gedacht.
Das ist richtig. Innerhalb kürzester Zeit haben sich die Ereignisse überschlagen. Die aktuellen Entwicklungen durch das COVID-19 Virus haben unser Leben in Frankfurt auf den Kopf gestellt und von jetzt auf gleich zu beispiellosen Veränderungen geführt, mit denen wir in dieser Form nie gerechnet hätten. Zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger sowie unserer Beschäftigten haben wir sofort darauf reagiert und zunächst das Main-BiZ und kurz darauf die gesamte Agentur für Arbeit für den Publikumsverkehr schließen müssen. Das war für uns kein einfacher, aber ein notwendiger Schritt. Dennoch herrscht alles andere als Stillstand. Die aktuelle Situation erfordert, dass wir unsere Kräfte bündeln und uns auf die Kernaufgaben konzentrieren, die die Existenz der Menschen sichern: Das sind die Auszahlungen von Leistungen für den Lebensunterhalt und das Kurzarbeitergeld. Hier haben wir unsere Kapazitäten innerhalb kürzester Zeit auf das Zehnfache verstärkt. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeitsagentur und des Jobcenters leisten hier Großartiges.

„Wir tun alles dafür, die Betriebe in dieser Krise zu unterstützen und die wirtschaftlichen Folgen für sie abzumildern.“

Jetzt steht das Thema „Kurzarbeit“ auf der Agenda ganz oben. Wann ist Kurzarbeit das richtige Instrument?

Schon in der Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008/2009 hat sich das Instrument Kurzarbeit bewährt, um Unternehmen vor der Insolvenz zu schützen und Arbeitsplätze zu sichern. Das Kurzarbeitergeld hilft Betrieben, die – bedingt durch einen vorübergehenden Arbeitsausfall – in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind. Das kann saisonal bedingt sein, z. B. in einigen Außenberufen während der Wintermonate, oder durch sogenannte unabwendbare Ereignisse herbeigeführt werden. Dazu zählt die aktuelle Corona-Pandemie. In der Vergangenheit waren in einigen Regionen auch Naturkatastrophen wie Hochwasser der Grund. Aktuell sehen wir uns nicht mit einer regional eingegrenzten, sondern mit einer weltweiten Ausnahmesituation in noch nicht gekanntem Ausmaß konfrontiert. Der Beratungsbedarf der Unternehmen ist enorm. Wir stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite und tun alles dafür, sie in dieser Krise zu unterstützen und die wirtschaftlichen Folgen für die Betriebe abzumildern.

Mit Hilfe des Kurzarbeitergeldes werden Unternehmen bei den Beschäftigungskosten entlastet, so dass sie ihr Personal auch bei erheblichen Arbeitsausfällen weiter beschäftigen können. Kurzarbeit schützt Betriebe zunächst vor einer Insolvenz und Beschäftigte vor drohender Arbeitslosigkeit. Kurz: Sie sichert Existenzen. Die Betriebe gewinnen Zeit zur Überbrückung einer schlechten Auftragslage bzw. wirtschaftlichen Krisensituationen und bekommen so die Chance, sich wieder zu erholen. Kündigungen können damit vermieden werden und Jobs bleiben erhalten. Eingearbeitetes, qualifiziertes Personal kann gehalten werden. Zudem wurde der Bezug von Kurzarbeitergeld so vereinfacht, dass die betroffenen Unternehmen die Unterstützung schneller und einfacher beantragen können. Die Beschäftigten haben jetzt außerdem die Möglichkeit, im Rahmen des bisher bezogenen Gehaltes etwas hinzuzuverdienen, ohne dass dies auf das Kurzarbeitergeld angerechnet wird. Durch die aktuellen Vereinfachungen können wir auch die Sozialabgaben für die Beschäftigten übernehmen.

Wie muss ein Arbeitgeber bei der Beantragung von Kurzarbeit konkret vorgehen?
Das Verfahren besteht im Wesentlichen aus drei Schritten: Der erste Schritt ist die Beratung, die aktuell ja nur telefonisch möglich ist. Da erstmals viele Kleinst- und mittelständische Unternehmen aus Branchen betroffen sind, die oft noch keine Berührungspunkte mit Kurzarbeitergeld hatten, ist dies zurzeit eine der wichtigsten und auch zeitintensivsten Dienstleistungen für den Arbeitgeberservice. Im zweiten Schritt muss die bevorstehende Kurzarbeit der zuständigen Agentur für Arbeit gemeldet werden. Das erfolgt in Form einer Anzeige per Post oder online. Hier gibt der Arbeitgeber an, wie viele Personen in welchem Rahmen voraussichtlich kurzarbeiten werden. Erst Im Spannungsfeld zwischen Fachkräftemangel und Kurzarbeit Stephanie Krömer, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Frankfurt, über die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt Rhein-Main INTERVIEW Stephanie Krömer (38), Chefin der Agentur für Arbeit Frankfurt „Wir tun alles dafür, die Betriebe in dieser Krise zu unterstützen und die wirtschaftlichen Folgen für sie abzumildern.“ 4 INTERVIEW nachdem Kurzarbeit tatsächlich umgesetzt worden ist, folgt in einem dritten Schritt der Antrag durch das Unternehmen. Hier gibt es nach Monatsabschluss an, wie viele Personen in welcher Größenordnung tatsächlich weniger Arbeitsstunden geleistet haben. Dazu hat es bis zu drei Monate Zeit. Das Unternehmen tritt also in Vorleistung, bekommt den Arbeitslohn rückwirkend erstattet und wird so finanziell entlastet, auch bei den Sozialabgaben. Alle relevanten Informationen und die Antragsformulare finden Arbeitgeber auch unter www. arbeitsagentur.de. Auf Sonderseiten sind hier Antworten auf grundlegende Fragen zusammengestellt und Erklärvideos eingestellt, die mit konkreten Anleitungen beim Ausfüllen der notwendigen Formulare helfen.

Blicken wir über die aktuelle Situation hinaus: Der Strukturwandel in Wirtschaft und Arbeitswelt ist und bleibt eine zentrale Herausforderung. Das Qualifizierungschancengesetz hat zu deren Bewältigung eine der Voraussetzungen geschaffen. Welche Möglichkeiten haben die Betriebe?
Die voranschreitende Digitalisierung, der Strukturwandel, E-Mobilität und ein geändertes Konsumverhalten sind Aspekte, die sich schon heute auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen. Dies wird sich auch in Frankfurt immer weiter auf die einzelnen Berufsbilder und Tätigkeitsfelder auswirken und diese nachhaltig verändern. Damit Unternehmen konkurrenzfähig bleiben können, müssen sie sich dieser Entwicklung anpassen. Dazu gehört auch, die Beschäftigten mit auf den Weg zu nehmen und entsprechend zu qualifizieren. Mit dem Qualifizierungschancengesetz kann die Agentur für Arbeit jetzt auch die Weiterbildung Beschäftigter finanziell unterstützen. Je nach Voraussetzung und Betriebsgröße können wir sogar bis zu 100 Prozent der Lehrgangskosten übernehmen. Darüber hinaus erhalten Arbeitgeber Arbeitsentgeltzuschüsse für weiterbildungsbedingte Ausfallzeiten von Beschäftigten. Ich kann den Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet nur ans Herz legen, ihre Beschäftigten bei der Qualifizierung zu unterstützen. So sichern Sie Ihre Fachkräfte! Unser Arbeitgeberservice ist hier ein vertrauensvoller Ansprechpartner, auch bei der Klärung möglicher Unterstützungsleistungen.

„Die fortschreitende Digitalisierung und der demografische Wandel machen Flexibilität und lebenslanges Lernen zu einer wichtigen Voraussetzung.“

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für Qualifizierungsmaßnahmen?
In diesen Wochen geht es in vielen Branchen erst einmal um das wirtschaftliche Überleben. Zudem sind Qualifizierungsmaßnahmen in Gruppen aufgrund der Ausgangsbeschränkungen derzeit nicht möglich. Alternativ werden zahlreiche Onlineangebote bereitgestellt. Aber: Qualifizierung ist und bleibt die wichtigste Stütze, damit Unternehmen und Beschäftigte mit den Veränderungen am Arbeitsmarkt Schritt halten und den Anforderungen in der Zukunft begegnen können. Ich kann nur eindringlich davor warnen, dies aus den Augen zu verlieren, auch wenn aktuell andere existentielle Themen im Mittelpunkt stehen. Die fortschreitende Digitalisierung und der demografische Wandel machen Flexibilität und lebenslanges Lernen zu einer wichtigen Voraussetzung. Je umfangreicher und zeitgemäßer die Qualifizierung, desto größer ist der Schutz vor Arbeitslosigkeit und die Wahrscheinlichkeit, sich erfolgreich am Markt zu behaupten. Für Unternehmen sind gut ausgebildete Fachkräfte lebenswichtig. Sie bilden die Grundlage dafür, dass Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben können und nicht den Anschluss verlieren.

„Fachkräftebedarf“ ist die freundliche Umschreibung des Problems „Fachkräftemangel“. In welche Richtung zielt die Entwicklung? Noch vor wenigen Wochen gab es eine anhaltend hohe Nachfrage, besonders nach qualifizierten und gut ausgebildeten Arbeitskräften. Das spiegelten auch die Arbeitsmarktzahlen, die vor der aktuellen Krise und den damit verbundenen wirtschaftlichen Einschränkungen erhoben wurden. Gleichzeitig ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Frankfurt kontinuierlich angestiegen. Die Einwohnerzahl liegt mittlerweile bei nahezu 800.000, die zahlreichen Berufspendler kommen noch hinzu. Das alles spricht für insgesamt gute Voraussetzungen. Die Herausforderung für alle beteiligten Arbeitsmarktakteure besteht darin, alle Menschen mitzunehmen, die zur Fachkräftesicherung beitragen können. Und dabei spreche ich nicht nur von denen, die optimale Voraussetzungen mitbringen. Es geht vielmehr darum, alle Personengruppen anzusprechen und einzubeziehen. Ich gehe nicht davon aus, dass sich daran etwas ändern wird, wenn wir die Krise überstanden haben.

Welchen Beitrag zur Fachkräftesicherung können Sie leisten?
Wir als Agentur für Arbeit engagieren uns gemeinsam mit Politik, Wirtschaft und Bildung bereits seit Jahren dafür, vorausschauend für die Zukunft zu planen und uns für anstehende Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt aufzustellen. Uns bewegen besonders Themen wie der demografische Wandel und die fortschreitende Digitalisierung der Arbeitswelt. Wir verfolgen nicht nur einen Weg, sondern setzten auf alle verfügbaren Ressourcen: Neben der Einwanderung von Fachkräften möchten wir unsere Potenziale im Inland ausschöpfen. Dazu zählen besonders Frauen, die dem Arbeitsmarkt aus familienbedingten Gründen nicht zur Verfügung stehen konnten, ältere und schwerbehinderte Menschen und selbstverständlich die jungen Menschen, die ihren Einstieg in das Berufsleben noch vor sich haben.

Hat die Migrationswelle der vergangenen Jahre zur Fachkräftesicherung beigetragen?
Definitiv. Frankfurt ist eine multikulturelle und weltoffene Stadt, die sich durch ihre kulturelle Vielfalt auszeichnet. Das hinterlässt auch seine Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Etwa jeder Dritte hat einen Migrationshintergrund, teils in zweiter und dritter Generation, teils sind es aber auch neu Zugewanderte. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft ist dies ein wichtiger Faktor. Es gilt, alle Potenziale zu aktivieren. Dazu zählen alle schon genannten Personengruppen, unabhängig von Nationalität und Herkunft.

Betrachten Sie die Arbeitsmarktintegration als einen richtigen Weg der gesellschaftlichen Integration?
Auf jeden Fall. Einen Beruf auszuüben und berufliche Kompetenzen vorweisen zu können, ist ein grundlegender und nicht zu unterschätzender Schritt im Rahmen der gesellschaftlichen Integration. Neben Spracherwerb, Akzeptanz und sozialen Kontakten ist die finanzielle Unabhängigkeit entscheidend für das Gefühl, in einem zuvor fremden Land und in unserer Gesellschaft angekommen zu sein. Bei vielen Menschen mit Fluchthintergrund wird es je nach persönlicher Geschichte, Bildungsstand und Sprachkenntnissen viele Jahre dauern, bis diese ganzheitliche Integration greifen kann. Da müssen wir mit Geduld und Beharrlichkeit am Ball bleiben. Bei anderen geht es schneller. Dafür gibt es auch in Frankfurt einige Beispiele.

Was versprechen Sie sich von dem neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz?
Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz bekennt sich Deutschland dazu, ein Einwanderungsland zu sein. Ich halte das für ein wichtiges Signal. Die Zuwanderung von Fachkräften ist bereits seit mehreren Jahren Teil der hessischen Strategie zur Fachkräftesicherung. Auf sie geht auch das WELCOMECENTER Hessen als Anlaufstation für ausländische Fachkräfte zurück, eine Gemeinschaftsinitiative des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration, der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, der Regionaldirektion Hessen und der Arbeitsagentur. Die Attraktivität der Stadt Frankfurt als Wirtschaftsstandort auch für ausländische Fachkräfte wird so weiter gestärkt. Die Anerkennung von Abschlüssen und die Anforderungen an das Sprachniveau bleiben weiterhin Hürden, auch wenn das neue Gesetz Erleichterungen bringt.

„Die Erfahrung zeigt, dass auch kurz vor Beginn eines Ausbildungsjahres noch viele Ausbildungsstellen besetzt werden können.“

Für viele Unternehmen ist die duale Ausbildung eine Art Königsweg der Fachkräftesicherung. Wie können Sie und das Jugendjobcenter jetzt kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres Betriebe unterstützen, die noch nicht den passenden Bewerber oder die richtige Bewerberin gefunden haben?
Wir sind das ganze Jahr über aktiv. Unsere Berufsberaterinnen und Berufsberater sind deutlich häufiger vor Ort in den Schulen, wir bieten Informationsveranstaltungen, beteiligen und organisieren Messeauftritte und organisieren Bewerber- und Branchentage, teils gemeinsam mit unseren Partnern, teils direkt mit einzelnen oder mehreren Unternehmen. Hinzu kommen umfangreiche Informations- und Orientierungsangebote, die wir online zur Verfügung stellen. Dazu zählen auch Expertenchats rund um das Thema Ausbildung, die Jugendlichen besonders in der aktuellen Situation eine gute Alternative bieten, um ihre Fragen direkt mit Fachleuten zu besprechen und sich auszutauschen. Da der Trend zum Studium ungebrochen ist, ist es für viele Unternehmen nicht mehr so einfach wie noch vor ein paar Jahren, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen. Hier setzen wir besonders auf persönliche, individuelle Beratung, unterstützen aber auch mit finanziellen Hilfen, wenn sie bereit sind, auch Bewerberinnen und Bewerber zu berücksichtigen, die nicht auf den ersten Blick dem Bild des Wunschkandidaten entsprechen. Die Erfahrung zeigt, dass so auch kurz vor Beginn eines Ausbildungsjahres noch viele Ausbildungsstellen besetzt werden können.

Gilt das auch aktuell?
An dieser Stelle möchte ich eine direkte Botschaft an alle Ausbildungsbetriebe richten: Gerade in der jetzigen Situation ist es von entscheidender Bedeutung, dass Sie Ihre Ausbildungs- und Weiterbildungsaktivitäten nicht herunterfahren. Das schadet Ihrem Unternehmen und der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung. Bitte versuchen Sie, auch in Ihrem eigenen Interesse Ihr Personal und Ihre Auszubildenden zu halten! Halten sie besonders jetzt im Sommer an ihren Einstellungsplänen für Nachwuchskräfte fest! Nur so können wir die Krise gemeinsam meistern und die Weichen für die Zukunft stellen.

Ist das Vermittlungsgeschäft für Sie schwerer geworden?
Aufgrund der hohen Fachkräftenachfrage der Unternehmen hat es eine Verschiebung zu Gunsten der Bewerberseite gegeben. In der Folge sind Arbeitgeber eher bereit, ihre ursprünglichen Anforderungen zu überdenken und Bewerbende, die vorher allein schon durch ihre Schulnoten oder ihren beruflichen Lebenslauf nicht überzeugt hätten, nicht von vorneherein abzulehnen. Bei der Stellenbesetzung werden zunehmend auch soziale Kompetenzen und andere vorhandene Potenziale berücksichtigt. Das können wir sowohl bei der Suche nach Auszubildenden als auch nach Fachkräften beobachten. Im Bedarfsfall können wir die Betriebe auch mit unseren Förderinstrumenten unterstützen. Uns ist wichtig, individuell zu beraten und auf die Situation des jeweiligen Betriebes einzugehen. Ist das Vermittlungsgeschäft dadurch schwieriger geworden? Ich glaube nicht. Aber es hat sich verändert.

Im Moment sieht es aber so aus: Die systemrelevanten Branchen benötigen auch in dieser Krisensituation weiteres Personal. Abgesehen davon ist die Wirtschaft aber in weiten Teilen zum Stillstand gekommen. Im Hotel- und Gaststättengewerbe, großen Teilen des Einzelhandels und vielen anderen Dienstleistungsbereichen sind Neueinstellungen aktuell nicht möglich. Hier kämpfen die Unternehmen um ihre Existenz und versuchen, sich mit Kurzarbeit und staatlichen Hilfen über Wasser zu halten.

Ihre sprichwörtlichen ersten einhundert Tage als Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Frankfurt sind inzwischen längst vorüber. Wie bewerten Sie Ihre bisherigen Erfahrungen in der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main?
Ich habe die Stadt Frankfurt von Anfang an als pulsierende Metropole erlebt, die als Wirtschaftsstandort zuletzt Rekordzahlen erreicht hat. Bei steigenden Beschäftigungszahlen gab es bei meinem Einstieg im Herbst letzten Jahres knapp unter 20.000 arbeitslos gemeldete Menschen. Das war die niedrigste Arbeitslosenquote seit 21 Jahren. Kurzum, die besten Voraussetzungen, die man sich vorstellen kann. Dominierende Themen sind und waren aber auch der weiterhin hohe Fachkräftebedarf in der Region und die Herausforderung, Langzeitarbeitslosigkeit abzubauen. Hier arbeiten die Träger des Jobcenters, die Stadt Frankfurt und die Arbeitsagentur, eng mit dem Jobcenter zusammen. Dieses Zusammenspiel ist für mich ein entscheidender Vorteil, der allen Bürgerinnen und Bürgern in der Grundsicherung zugutekommt.

„Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir gemeinsam die aktuelle Krise meistern, und sehe optimistisch in die Zukunft.“

Das erinnert an das Motto des Jobcenters „Gemeinsam für Frankfurt vorangehen“.
Von Anfang an habe ich besonders die kulturelle Vielfalt und die enge Vernetzung der Arbeitsmarktakteure im Rhein-Main-Gebiet als sehr inspirierend empfunden. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir gemeinsam die aktuelle Krise meistern, und sehe optimistisch in die Zukunft. Und auch das Zusammenspiel aller Teams innerhalb der Arbeitsagentur habe ich von Beginn an als sehr konstruktiv empfunden. Dieser Eindruck hat sich für mich besonders in der aktuellen Lage bestätigt. Wir haben uns von jetzt auf gleich in einer Situation wiedergefunden, die allen viel abverlangt. Aufgrund der sich ankündigenden Kontakteinschränkung haben wir uns auf Alternativen wie Telefonberatung, E-Services, erweiterte Servicezeiten und intensiven E-Mail-Kontakt umgestellt. Das Engagement und die Bereitschaft der Mitarbeitenden, sich gegenseitig zu unterstützen und in aktuell besonders geforderten Bereichen auszuhelfen, ist sehr groß. Dieses Zusammenrücken in Zeiten einer notwendigen physischen Distanz ist in meinen Augen etwas ganz Besonderes. Ich bin mir sicher, dass wir dadurch für die Zukunft viel Gutes mitnehmen werden.

Wo möchten Sie selbst Wegzeichen und Akzente in Frankfurt setzen? Wo liegen Ihre Ziele?
Das Zauberwort heißt für mich „Zusammenhalt“. Und das gilt für mich für die Zusammenarbeit innerhalb meiner Agentur und des Jobcenters Frankfurt genauso wie für die Arbeit mit allen Bündnispartnern und Akteuren in der Öffentlichkeit. Eine offene, ehrliche und transparente Kommunikation auf Augenhöhe ist das wertvollste Instrument. Wir alle sind uns unserer Verantwortung füreinander und für die Gesellschaft bewusst. Aus dieser Motivation heraus müssen wir gemeinsam handeln – ohne Angst vor neuen Wegen und innovativen Lösungen. Unser gemeinsames Ziel ist es, Bildung zu fördern, Chancen zu eröffnen, Arbeitslosigkeit zu verhindern und den Wirtschaftsstandort Frankfurt weiter zu stärken. Kurz: Wir möchten nahe an den Menschen sein. Die Bürgerinnen und Bürger in Frankfurt sollen uns als verlässliche, kompetente und vertrauenswürdige Ansprechpartner in Orientierungsphasen und während der Beschäftigung wahrnehmen.