Sozialminister Klose

Regionenspezifische Arbeitsmarktförderung das Gebot der Stunde“

Kai Klose – seit einhundert Tagen Hessischer Minister für Soziales und Integration: die arbeitsmarktpolitischen Akzente

Der Arbeitsmarkt in Hessen läuft so gut wie selten. Welche Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft? Und welche Arbeitsmarkt politischen Akzente wollen Sie als neuer Minister für Soziales und Integration setzen?

Wir befinden uns derzeit in einer vergleichsweise komfortablen Situation, da die Arbeitslosigkeit niedrig ist. Allerdings werden händeringend Fachkräfte und Auszubildende gesucht. Daraus ergibt sich einer meiner aktuellen Schwerpunkte, diese Fachkräfte, die vor allem im Bereich der Sozialwirtschaft fehlen, zu gewinnen. Hinzu kommt, dass uns die fortschreitende Digitalisierung der Arbeitswelt in einem Maß herausfordert, das wir noch gar nicht voll überblicken können. Der damit einhergehende Umbruch wirft Fragen auf: Welche Berufe und Qualifikationen werden künftig gebraucht? Was machen die Automatisierung und die Entwicklung bzw. der Einsatz immer intelligenterer digitaler Arbeitsformen mit der Arbeit?

Als Sozial- und Integrationsminister nehme ich die Herausforderungen der Digitalisierung zum Anlass, eher „arbeitsmarktferne“ Personengruppen in die Arbeitsmärkte einzubinden, beispielsweise benachteiligte Jugendliche und Langzeitarbeitslose. Es gilt, gerade diesen Menschen digitale Kompetenzen zu vermitteln, weil deren Bedeutung auf dem Arbeitsmarkt rasant zunimmt. Auch ihnen müssen die Möglichkeiten digitaler Lernangebote erschlossen werden, deren Potenziale bislang leider zu oft den leistungs- und lernstarken Personen vorbehalten bleiben. Hier hat die hessische Arbeitsmarkt förderung mit mehreren Modellprojekten wichtige Pionierarbeit geleistet, die es künftig auszubauen und zu verstetigen gilt.

Beim Bedarf an Fachkräften und Auszubildenden geht es insbesondere darum, die Berufsaussichten durch passgenaue Qualifizierung und Ausbildung auch für Menschen mit schwierigen Startvoraussetzungen zu verbessern – insbesondere für die motivierten Personen, die noch nicht die notwendigen formalen Voraussetzungen mitbringen, um eine Ausbildung aufzunehmen und erfolgreich abzuschließen. Mit dem Förderinstrument „Sozialwirtschaft integriert“ ist es uns beispielsweise in Frankfurt gelungen, die „Bildungsprofis“ zu engagieren*). Die ersten Erfahrungen des seit Ende letzten Jahres laufenden Projektes zeigen, dass die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter bestens funktioniert und bereits erste Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfolgreich vermittelt werden konnten, darunter etwa eine alleinerziehende Mutter mit Migrationshintergrund, die eine Teilzeitausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegerin aufgenommen hat.

Wir wollen mehr dieser Erfolgsgeschichten Wirklichkeit werden lassen. Deshalb sollte die Arbeitsmarktförderung in Hessen individuelle Hemmnisse aufnehmen und daraus individuelle Förderungen machen. Denn wir brauchen alle Talente!
 
Heute führen zu viele Faktoren dazu, dass Menschen mit Migrationsgeschichte etwa doppelt so stark von Arbeitslosigkeit betroffen sind wie Personen ohne sog. Migrationshintergrund. Die gleichberechtigte Teilhabe am Erwerbsleben ist jedoch eine wesentliche Voraussetzung für gelingende Integration. Denn Erwerbsarbeit bedeutet nicht nur eingesichertes Einkommen und wirtschaftliche Eigenständigkeit, sondern auch die Möglichkeit zur aktiven Teilhabe an der Gesellschaft.

Gerade für eine so bunte, weltoffene und vom Miteinander vieler Nationengeprägte Stadt wie Frankfurt bestehen große Potenziale darin, die Talentreserven einer von Migration geprägten Gesellschaft möglichst zahlreich für den Arbeitsmarkt zu erschließen. Dazu gehört vor allem auch, dass wir eine berufsbezogene Sprachförderung entwickeln und umsetzen, die zum selbstverständlichen Bestandteil der Arbeitsmarktförderung wird.

Grundsätzlich ist in Hessen weiterhin eine regionenspezifische Arbeitsmarktförderung das Gebot der Stunde. Grundlage unserer Arbeitsmarktförderung sind umfassende und regional differenzierte Strategien und Analysen der regionalen Arbeitsmärkte. Leitlinien unserer Steuerung sind und bleiben die besonderen arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen vor Ort. Deshalb werden wir unsere Förderung auch weiterhin an den Regionen spezifischen Bedarfen der Landkreise und kreisfreien Städte ausrichten. Ich freue mich, dass es uns mit dem Hessischen Sozialbudget gelungen ist, die Arbeitsmarkförderung zu einem verlässlichen Partner der Regionen auszubauen. Die im Sozialbudget zusammengefassten Förderangebote des Ministeriums sind für die nächsten sechs Jahre abgesichert. Weit über 50 Millionen Euro stehen damit jährlich für die regionenspezifische Arbeitsmarktförderung zur Verfügung – und das mit einer hohen Planungssicherheit, die einen langfristigen und strategisch fundierten Mitteleinsatz ermöglicht.

*) Ausführlich darüber: PERSONAL DIREKT, Ausgabe 01, Januar 2019,Seite 8/9 und www.pd-frankfurt.de/sozialwirtschaft-integriert