Einstiegsqualifizierung – Erfolgsmodell und praxisnaher Weg


betrieb

Förderung für Betriebe, die Jugendliche an die Ausbildung heranführen

Wenn die Schulzeugnisse schlecht sind oder ein Schulabschluss überhaupt fehlt, hat ein Jugendlicher eine erhebliche Hürde bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz zu überwinden. Die Experten sprechen von „Ausbildungsbewerbern mit individuell eingeschränkten Vermittlungsperspektiven“. Die Praktiker in den Betrieben wissen aber aus Erfahrung: Schulnoten sind nicht alles, die praktischen Fähigkeiten und das handwerkliche Geschick eines jungen Menschen schlagen sich oft nicht in den Zeugnissen nieder. Jugendlichen mit eingeschränkten Vermittlungsperspektiven kann die „Einstiegsqualifizierung“ (EQ nach § 235b SGB III) den Weg in Ausbildung und Beschäftigung ebnen. Sie bietet ihnen die Chance, in einem betrieblichen Praktikum den Arbeitsalltag kennen zu lernen und Grundkenntnisse zu erlangen. Sechs bis zwölf Monate dauert dieses Praktikum. Die Unternehmen können während der Einstiegsqualifizierung die praktischen Fähigkeiten und die betriebliche Alltagstauglichkeit eines Teilnehmers feststellen. Die Rhein-Main Jobcenter GmbH bzw. die Agentur für Arbeit fördert die Betriebe durch Zuschüsse zur monatlichen Vergütung (212 Euro) und den Sozialversicherungsbeiträgen (108 Euro).

Das Instrument der betrieblichen Einstiegsqualifizierung wurde im Rahmen des Ausbildungspaktes bereits im Jahr 2004 geschaffen, um jungen Menschen mit Vermittlungshemmnissen eine Brücke in die Berufsausbildung zu bieten. In den vergangenen Jahren war die Einstiegsqualifizierung für mehr als 60 Prozent der Teilnehmer erfolgreich: Sie wurden auf diesem Weg von den Betrieben in eine Berufsausbildung übernommen. Die Aufnahme einer betrieblichen Berufsausbildung ist das Hauptziel der Einstiegsqualifizierung. Sie ist inhaltlich auf die Vermittlung und Vertiefung von beruflichen Grundlagen ausgerichtet.
Die Inhalte orientieren sich an den anerkannten Ausbildungsberufen nach § 4 BBiG und § 25 HWO. Sofern dafür Ausbildungsbausteine vorliegen, können sie bei einer betrieblichen EQ genutzt werden. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) haben entsprechende Qualifizierungsbausteine und Module entwickelt (www.zdh.de/bildung/ausbildungspakt und www.dihk.de/pakt).

Vorteile für Betriebe

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Die Einstiegsqualifizierung ist für Arbeitgeber auch finanziell interessant: Sie können mit einem Zuschuss zur Vergütung in Höhe von bis zu 212 Euro monatlich rechnen und erhalten einen Zuschuss zu den Sozialversicherungsbeiträgen, weil es sich bei der Einstiegsqualifizierung um ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis handelt. Der Betrag für den pauschalierten Anteil am durchschnittlichen Gesamtsozialversicherungsbeitrag be - trägt aktuell 108 Euro monatlich, er wird jährlich neu berechnet, bleibt für die Dauer des individuellen Förderzeitraums aber konstant.
Betriebe lernen die Jugendlichen bei der Einstiegsqualifizierung in der betrieblichen Praxis über einen längeren Zeitraum kennen und können auf einer anderen Basis als dem der Zeugnisnoten ihre Motivation, Leistungsbereitschaft und ihre Voraussetzungen einschätzen. Sie haben die Möglichkeit, die Teilnehmer praxisnah an die Ausbildung heranzuführen. Ein Nebeneffekt ergibt sich für Betriebe, die noch nicht oder längere Zeit nicht mehr ausgebildet haben, selbst den Wiedereinstieg in die Ausbildung zu erproben.

Die Zielgruppen für EQ

Die Einstiegsqualifizierung ist auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet. Dazu zählen im Wesentlichen:
  • Ausbildungsbewerber mit individuell eingeschränkten Vermittlungsperspektiven, die nach dem 30. September eines Jahres noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben,
  • Jugendliche, die noch nicht im vollen Umfang über die erforderliche Ausbildungsbefähigung verfügen,
  • lernbeeinträchtigte und sozial benachteiligte Jugendliche. Bewerber über 25 Jahre sowie Personen mit (Fach-) Hochschulreife können nur in begründeten Ausnahmefällen gefördert werden. Jugendliche, die noch der Vollzeitschulpflicht unterliegen, können nicht in einer EQ gefördert werden. Die Förderung beginnt jeweils ab 1. Oktober im Zusammenhang mit der Nachvermittlung. Ein früherer Beginn ist ab 1. August für Altbewerber aus der Zielgruppe der lernbeeinträchtigten und sozial benachteiligten sowie noch nicht voll ausbildungsreifen Jugendlichen möglich.

Die rechtlichen Regelungen

Mit dem Praktikanten wird ein Qualifizierungsvertrag abgeschlossen, der auch eine Vergütung festlegt (§ 26 BBiG). Der Arbeitgeber trägt die Sach- und Personalkosten der Einstiegsqualifizierung sowie den Beitrag an die Berufsgenossenschaft. Die Praktikumsvergütung beträgt in der Regel 212 Euro, sofern nicht ein höherer Betrag vereinbart wird. Tarifliche Vereinbarungen sind zu beachten. Die Rhein-Main Jobcenter GmbH erstattet dem Arbeitgeber auf Antrag einen Zuschuss zur EQ-Vergütung bis zur Höhe des Regelsatzes sowie einen pauschalierten Anteil am durchschnittlichen Gesamtsozialversicherungsbeitrag.

Betriebe können bei Einstellung eines lernbeeinträchtigten oder sozial benachteiligten EQ-Teilnehmers von einem Bildungsträger durch organisatorische Hilfen und sozialpädagogische Begleitung unterstützt werden.

EQ-Teilnehmer, die der Berufsschulpflicht unterliegen, müssen diese erfüllen. Nach Möglichkeit soll der Teilnehmer in einer Fachklasse angemeldet werden, um die Übernahmechancen in eine Ausbildung zu verbessern. Die Förderung wird auch für die Zeiten des Berufsschulunterrichtes gezahlt.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, am Ende des Praktikums ein betriebliches Zeugnis auszustellen, in dem die vermittelten Kenntnisse und Fertigkeiten bescheinigt werden. Die jeweilige zuständige Stelle bzw. Kammer stellt auf Antrag des Unternehmens oder des Teilnehmers auf der Basis des betrieblichen Zeugnisses ein Zertifikat über die erfolgreiche Teilnahme an der EQ aus. Dieses bildet die Grundlage für eine mögliche Verkürzung einer anschließenden Ausbildung nach § 8 BBiG.

Die richtigen Schritte

Betriebe, die einen EQ-Teilnehmer oder eine EQ-Teilnehmerin beschäftigen wollen, sollten die folgenden Schritte beachten und in der richtigen Reihenfolge vorgehen:
  • Festlegung von Praktikumsinhalten, Dauer, Vergütung und Auswahlkriterien für den Teilnehmer,
  • Meldung des offenen Angebotes bei der zuständigen Kammer und der RMJ GmbH, die Auskunft über eine vorläufige Förderzusage geben können,
  • Feststellung, ob der vorgesehene EQ-Teilnehmer als Bewerber bei der RMJ GmbH gemeldet ist, damit geprüft werden kann, ob der Teilnehmer förderfähig ist,
  • Klärung der Berufsschulpflicht und Anmeldung bei der Berufsschule, nach Möglichkeit in einer Fachklasse,
  • Klärung mit der RMJ GmbH, ob sozialpädagogische oder organisatorische Unterstützung erforderlich ist und gefördert werden kann,
  • Vertragsabschluss mit dem EQ-Teilnehmer vor Beginn der Maßnahme (Muster bei der Kammer) und Übersendung einer Vertragskopie an die Kammer,
  • Antrag auf einen Zuschuss zur Praktikumsvergütung vor Beginn der Maßnahme bei der RMJ GmbH mit einer Vertragskopie,
  • Anmeldung des EQ-Teilnehmers bei der Krankenkasse und der Berufsgenossenschaft, - Vorlage der Bestätigung über die Anmeldung zur Sozialversicherung bei der RMJ GmbH (spätestens drei Monate nach Beginn der Maßnahme).

Der Ablauf der EQ

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Die Rhein-Main Jobcenter GmbH bzw. die Agentur für Arbeit für ihren Betreuungskreis erstatten den Zuschuss monatlich rückwirkend.

Während der EQ prüft der Betrieb, ob der Teilnehmer für eine Ausbildung im Unternehmen in Frage kommt. Falls nicht, sollten der Teilnehmer und die Rhein-Main Jobcenter GmbH zeitnah informiert werden, damit andere Vermittlungsbemühungen eingeleitet werden können. Wenn ein Teilnehmer in Ausbildung übernommen werden soll, kann eine Anrechnung der EQ auf die Ausbildungszeit erfolgen; dafür ist eine Klärung mit der zuständigen Kammer erforderlich.
 Zum Abschluss der EQ erhält der Teilnehmer ein betriebliches Zeugnis, in dem die vermittelten Kenntnisse und Fertigkeiten bescheinigt werden. In Absprache mit dem EQ-Teilnehmer wird das Zeugnis bei der Kammer eingereicht, die ein Zertifikat über die erfolgreich absolvierte EQ ausstellt.

Die Nachweise über die Höhe der ausgezahlten Vergütungen sowie die darauf anfallenden Sozialversicherungsbeiträge sind bei der Rhein-Main Jobcenter GmbH bzw. der Agentur für Arbeit spätestens zwei Monate nach Beendigung der EQ vorzulegen.

Die Ziele der EQ

Die Förderung einer betrieblichen Einstiegsqualifizierung (EQ) soll ermöglichen, dass mehr jüngere Menschen mit erschwerten Vermittlungsperspektiven eine betriebliche Berufsausbildung aufnehmen und diese Ausbildung im Erfolgsfall verkürzt wird. EQ ist eine Leistung im Bereich der Berufsausbildungsvorbereitung. Die Förderung darf nicht dazu führen, dass betriebliche Berufsausbildung durch EQ ersetzt wird.

Mit der Förderung einer betrieblichen EQ sollen auch Betriebe, die nicht oder nicht mehr ausbilden, für die Ausbildung (wieder-)gewonnen werden.
Die Vermittlung in eine betriebliche Ausbildung hat Vorrang vor einer Vermittlung in eine EQ. EQ soll vorrangig Ausbildungssuchenden unter 25 Jahren ohne (Fach-)Abitur den Einstieg in eine Ausbildung erleichtern. Ausbildungssuchende über 25 Jahre oder mit (Fach-)Abitur werden nur im begründeten Einzelfall gefördert.